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e. Frühling.
Frühling läßt sein blaues BandWieder flattern durch die Lüfte,
Süße, wohlbekannte DüfteStreifen ahnungsvoll das Land.
Veilchen träumen schon,
Wollen balde kommen.
Horch, von fern ein leiser Harfenton!
Frühling, ja, du bist's!
Dich hab' ich vernommen. (Mörike.)
Weitere Beispiele bilden die Naturlieder von:
Lenau: Schilflieder. Der Eichwald. Frühlings Tod. Herbst.
Rückert: Der Winter auf dem Lande. Abendlied. Frühlingslied, und besonderssein dithyrambisches Lüfteleben.
Goethe: An den Mond.
Moritz Hartmann: Erster Schnee.
I. Mosen: Der träumende See.
Eichendorff: Winterlieb.
Tieck: Herbst.
Heine: Fichtenbaum und Palme.
Hossmann v. Fallersleben: Abendlied.
Uhland: Maientau. Die sanften Tage.
Karl Beck: Frühling. Heimweh.
Julius Sturm: Frühlingsgespeuster. Herbstlieder. Auf dem Wasser.
Robert Reinick: Sommernacht.
Jul. Rodenberg: Schönheit. Dämmerung.
Kinkel: Abendstille. Abendmahl der Schöpfung.
Rittershaus: Der Abendfalter. Nach dem Sturme.
Cäsar von Lengerke: Der frühe Mond.
Herm. Lingg: Mondaufgang. Waldnacht.
Alfr. Meißner: In der Gebirgswüste.
Gottfchall: Am Strande. Die letzte Rose.
Otto Roquette: Wandergrnß.
Fr. Storck: Wach auf! u. a. m.
8 64. Minne- oder LiebeslreLer.
1. Man nennt das Minne- oder Liebeslied auch erotisches Lied<von Eros — Amor). Seinen Inhalt bildet die Liebe. Das Liebes-lied erschließt das Herz des Lyrikers in seinen geheimsten Tiefen; esenthüllt die leisesten Ahnungen und die zartesten Regungen des beseligendenLiebesgefühls. Daher sind seine Töne die zartesten und innigsten, dieanmutigsten und heitersten und zugleich die erwärmendsten. Das Liebes-lied ist der Spiegel der keuschen Liebes-Einfalt in ihrer sonnigen Klar-heit. Rückerts Liebessrühling ist das Musterbuch der Liebeslieder, dasEvangelium der Liebe. Er hat für die gesamte Lyrik eine erlösende,bahnbrechende und vorbildliche Mission erreicht.
2. Die Bedeutung des Liebesliedes soll man nicht unterschätzen.