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und lächerlich macht. Daher heißt travestieren soviel als ein erhabenes Gedichtin's Lächerliche ziehen, es scherzhaft umformen, umkleiden.
Da der Gegenstand häufig in niedrige, gewöhnliche Sphären herabgezogen,ja nicht selten herabgewürdigt wird, so wirkt der Kontrast mit dem erhabenenVorbild um so greller. Daher haben nur wenige Travestien poetischen Wert. Diemeisten sind lediglich als Ausdruck von Witz und Laune bemerkenswert undwerden nur so lange ertragen, als sie nicht in's Frivole und Gemeine übergehen.
Zu den vornehmsten Arten des Lächerlichen gehört der Kontrast zwischenUrsache und Wirkung, zwischen Zweck und Mittel, ferner die Entdeckung einerunerwarteten Ähnlichkeit zwischen unähnlichen Gegenständen, endlich der Kontrastzwischen Bedeutendem und Unbedeutendem, Großem und Kleinem nebst kurzenwitzigen Einfällen (Bonmots).
Darauf gründet sich ebenso der heroisch-komische, wie der niedrig-komische oder burleske Stil in der Travestie (wie auch in der Parodie;§ 87 d. Bds.).
Der heroisch-komische Stil stellt Unwichtiges als wichtig in erhabener feier-licher Ausdrucksweise dar. Der burleske Stil dagegen zieht Erhabenes in'sNiedrige. Das Launige und Humoristische stellt Ernstes lächerlich dar und umgekehrt.
Didaktisch wirkt die Travestie dann, wenn sie satirisch ist und ihr alsoein höheres Interesse als bloße Belustigung zu Grunde liegt. In diesem Fallemacht sie eine falsche, überschwengliche Richtung des Gefühls lächerlich undvertritt somit die Sache der Wahrheit und der Vernunft.
Im Französischen hat Scarron die gelungensten Travestien geliefert; imDeutschen Blumauer (Äneis). Gesammelte Travestien finden sich z. B. imBuche deutscher Parodien und Travestien von Z. Funk. 1840.
Beispiel der Travestie.
Äneas' Flucht aus Troja.
Originalgedicht Schillers nachBirgil.
Strophe 119.
Und lauter, immer lauter hört man schonDes Brandes nahe Feuerflammen krachen.Auf, Vater, ruf' ich, auf! Ich trage dich,den Schwachen;
Leicht drückt des Vaters teure Last denSohn.
Was nun auch kommen mag, wir teilenTod und Leben,Die Hand will ich dem Kleinen geben,In ein'ger Ferne folgt Kreusa füll.
Ihr Knechte, merkt, was ich verkünden will.
120 .
Gleich vor der Stadt steht ihr an einemFelsenhange,
Den ein verlassner Cerestempel schmückt,Daneben ein Cypressenbaum, seit lange
Travestie. (Aus: Blumauers tra-vestierte Äneis.)
Ich trat ins Zimmer. Welch' ein Bild!Wie ward ich da betroffen!
Mein Vater hinter einem Schild,
Mein Söhnchen hinterm Ofen.
Mein Weib, das hoch die Hände rang,
Schrie heulend: Schütze mich vor Zwang,Du heil'ge Mutter Anna!
Kourage, rief ich, faßt euch! Wißt,Frau Venus har mir eben
Ein Land, wo Milch und Honig fließt,Statt diesem Nest gegeben.
Kommt mit in dies Schlaraffenland,
Da sind die Felsen von Tragant,
Die Wälder voll Zibeben.
Da will ich naschen, rief Askan,
Und hing an meiner Seiten