Band 
[Zweiter und dritter Band.]
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Und teilte jedem eine Gabe,

Dem Früchte, jenem Blumen aus;

Der Jüngling und der Greis am Stäbe,

Ein jeder ging beschenkt nach Haus.

Willkommen waren alle Gäste;

Doch nahte sich ein liebend Paar,

Dem reichte sie der Gaben beste,

Der Blumen allerschönste dar.

(X6. Eine Parodie auf Schillers„Die deutsche Litteratur": In Leipzig aJahr u. s. w.)

Und schenkte jeder eine Gabe,

Der Witz und jener scharfen Blick;

Der Jüngling, wie der Greis am Stäbe,

Ein jeder kommt beklatscht zurück.

Zum Tadel dienen alle Gäste;

Doch birgt sich wo ein liebend Paar,

Das giebt der Kasfeeredcn beste.

An dem läßt man kein gutes Haar.

Mädchen aus der Fremde ist auch Saphirsuf der Büchermesse erscheint mit jedem halbem

Aus Matthissons Adelaide.

Einsam Wandelt dein Freund im Frühlingsgarten,Mild vom lieblichen Zauberlichr umflossen,

Das durch wankende Blütenzweige zittert,Adelaide! u. s. w.

Aus Wießmanns Parodie:Der Witwer.

Einsam wand? ich Witwer in Bosens Garten,Matt vom dürftigen Lampenlicht umflossen,Das durch öde Äastanicngänge flimmert,

Alte Aathrine! u. s. w.

Weitere Beispiele von Parodien haben geliefert: Fischart, Murner,Braut. Bon Späteren: Mahlmann (Herodes vor Bethlehem, oder dertriumphierende Viertelsmeister, — eine höchst gelungene satirische Parodie aus' Kotzebues Thränenstück Die Hussiten vor Naumburg); Castelli (der Schick-salsstrumpf, Parodie auf Müllners Schuld); Kosegarten (Klagelied eines Miß-vergnügten, Parodie auf Höltys Aufmunterung zur Freude); Blumauer, Rabener,Falk, Roller, Schütz, Hagedorn, Lichtenberg, Wieland, Goethe (Musen und Grazienin der Mark — gegen Schmidt von Werneuchen gerichtet); Hauff (Mann imMonde — Clauren persiflierend); Voß, Uhland, Heine, Borne, Brunner,Sommer (Gedichte in Rudokstädter Mundart); Rückert (Marschall Mai —,Parodie auf dessen Marschall Ney): Johr (Der Reimjäger, Parodie ausSchillers Alpenjäger); Louis Wallo (Die Bürgschaft, Parodie auf SchillersBürgschaft); Eichrodt (im Ilortus äsliviuruin, vgl. H 65) u. a. (Die Parodiein der klassischen Litteratur hat H. Blümner-Zürich in der Decembernummer1881 des „Süd und Nord" von P. Lindau behandelt.)

H 88. Humoristische Dichtungen.

1. Humoristische Dichtungen sind solche Dichtungen, welche durchAnwendung von Gegensätzen (Kontrasten) das Komische ernst und dasErnste komisch behandeln und dadurch eine komische oder erheiterndeWirkung erreichen. Die humoristischen Gedichte verletzen niemanden:ihr Grundgefühl ist das der menschlichen Ohnmacht und Nachsichts-bedürftigkeit. (Von den komischen Liedern — 8 63 — unterscheidensie sich durch ihre didaktische Tendenz.) Mit dem in ihnen waltendenHumor darf die von den Romantikern so genannte Ironie des Schick-sals nicht verwechselt werden.

2. Der Humorist muß durch Bildung und Feinsinnigkeit überseinem Gegenstände stehen und die Höhen des menschlichen Lebens zuüberschauen vermögen.