Irene sah mit dir die längst gewünschte Stunde,
Die srohe Stunde nahn, bestimmt zu eurem Bunde,
Da stürzte der Tyrann, der unsrer Qualen lacht,
Dich, deine Braut und mich in tiefe Kerkernacht.
Die süßen Hoffnungen, die eure Brust erfreuten,
Bedeckt ein Augenblick mit großen Dunkelheiten,
Und statt des heil'gen Bands, das euch nun bald umgab,
So will es unser Gott, vereinigt euch das Grab.
Verehre sein Geheiß und dank' ihm mit Entzücken,
Daß er dein Blut begehrt, da deinen frohen BlickenAm liebenswürdigsten des Lebens Aussicht schien.
Der Opfer größestes, ist es zu groß sür ihn?
Schnell, wie ein Hauch, verfliegt das größte Glück hienieden.
Wir wünschen uns ein Gut, empfahn es und ermüdenIn dein Besitz von ihm. Der Durst, der uns erfüllt,
Der heiße Durst nach. Ruh' wird nur in Gott gestillt, u. s. w.
Litteratur der Herolde.
Herolden schrieb von den Römern Ovid, Properz; von den Italienern:Bruni und Crasso; von den Engländern: Pope; von den Franzosen:Dornt; von den Deutschen Schiebeler, Eschenburg, A. W. Schlegel(Neoptolemus an Diokles); Hofmannswaldau (Eginhard an Emma); Kose-garten (Agathen an Thelrione); Kuffner, (Thusnelda an Arminius); Theresev. Artner (Sapphv an Phaon); W. Smets (Ernst, Graf Gleichen an seindeutsches Eheweib); Ptaten (Choröbus der Kassandra); Tiedge; Bürger; Kind(Einsiedler an der Twerza); Wieland (Briese Verstorbener an ihre noch lebendenFreunde); Dusch; Trautzschen; Ernst Eckstein (Mutter und Kind. InEcksteins Sammlung: „In Moll und Dur.") u. a.
Heroiden der Deutschen hat Raßmann (1824) herausgegeben.
tz 97. Kur)L lyrisch-didaktische Formen.
Wie schon manche Episteln recht gut als Heroiden, oder Elegien,oder Satiren, oder poetische Erzählungen aufgefaßt werden können,wie ferner manche Satiren in Form von Briefen oder Fabeln rc.auftreten, so findet man eine Anzahl kleinerer Dichtungen, welche sichin keine der früher vorgeführten lyrischen Arten einordnen lassen.Entweder ist ihr Inhalt nicht vorn Gefühl diktiert, oder es fehlen ihnendie Anforderungen an das religiöse, elegische, gesellige, epigrammatischeGedicht, oder endlich es geht ihnen eine, den bisher vorgeführtenGattungen eigentümliche, charakteristische Form ab. Es steht eben demDichter frei, sich von der Schablone je nach Bedürfnis zu trennen,und die einzelnen Gattungen je nach Belieben und Bedürfnis zu ver-mengen oder durch neue zu vermehren.
Wir verweisen die unbestimmten lyrischen Formen mit didaktischerTendenz in die besondere Rubrik der kurzen lyrisch-didaktischen Formen.
Diese kurzen lyrisch-didaktischen Formen zählen selbstredend zur didaktischenGelegenheitspoesie, die ähnlich der Pindarschen Gelegenheitspoesie oder den in