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„Ich halt' es mit dem schlichten Sinn,
Der aus dem Volke spricht/'
Schlicht sinn'ges Sprechen ist Gewinn,
Verworr'nes Schreien nicht.
„Ich lobe mir den stillen Geist,
Der mählich wirkt und schafft."
Doch fordert jedes Werk zumeistAuch Schöpferarmes Kraft.
„Was nicht von innen keimt hervor,
Ist in der Wurzel schwach."
Doch einmal muß man sä'n zuvor,
Was wurzeln soll hernach.
„Du meinst es löblich, doch du hastFür unser Volk kein Herz."
Für es trag' ich samt and'rer LastAuch dieser Kränkung Schmerz.
Weitere Beispiele vgl. Lallet- Fragment aus einer Tragödie im antikenStil (Sallets Ges. Ged. S. 171), sowie die am Schluß des folgenden Paragraphen(99) gegebenen Proben aus Rückerts Weisheit des Brahmancn.
Litteratur des wirklichen Lehrgedichts.
Das wirkliche Lehrgedicht haben besonders Gellert, Herder, Tiedge,Schefer, Sallet, Rückert rc. gepflegt.
Die Weisheit des Brahmanen von Nückert ist eine Sammlungkleiner wirklicher Lehrgedichte, die durch gleiche Empfindung verbunden alsgroßes Lehrgedicht ausgefaßt werden und im nächsten Paragraph (99, ebensowie Sallets Laienevangelium und Schefers Laienbrevier) noch einmal erwähntwerden müssen. Die einzelnen Gedichte sind als wirkliche Lehrgedichte zurubrizieren, während die Vereinigung dieser sämtlichen Dichtungen je als großesLehrgedicht gelten kann.
tz 99. Großes Lehrgedicht.
Giebt ein Dichtwerk nicht nur eine einzelne gute Lehre, sondern eineganze Anzahl von Gedanken aus einem Gebiet oder auch aus verschiede-nen Gebieten, so daß eine große didaktische Dichtung aus kleinen Ein-heiten sich ausbreitet, wodurch schließlich das Thema erschöpfend be-handelt wird, so nennen wir dies ein großes Lehrgedicht.
Das große Lehrgedicht macht in seiner Ausdehnung und in seinem Verlaufdie allermannigfaltigsten Verhältnisse (z. B. Gott, Sittlichkeit, Freiheit, Tugend,Unsterblichkeit und Glückseligkeit) zum Gegenstände seiner Betrachtung, welche esvom Standpunkte einer höheren Weltanschauung beurteilt. Je mehr dabei derreflektierende Verstand sich mit Phantasie und Gefühl vereinigt, desto vorzüglicherwird das große Lehrgedicht sein. Gefühl und Phantasie werden in ihm übrigensdurch die Verstandesthätigkeit in Bewegung gesetzt. (Vgl. S. 18. 2. d. Bds.)
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