297
Als der starke Sohn des KalewZu dem Felsenthor gelangt warVor die Thür des Schattenreiches,
Rief von oben eine Stimme:
„Schlage mit der Faust den Felsen!"
Und die schwere Hand erhebendSchlug er mit der Faust den Felsen,
Daß sie spaltend tief hineindrang:
Und die Rechte blieb gefangen.
Dort auf seinem Rosse reitetHeute noch der KalewideHandgefesselt an dem Felsen,
Und bewacht am Höllenthore,
Aud'rer Fesseln, selbst gefesselt.
Höllengeister suchen emsigDoppelt angebranntes Kienholz,
Um die Ketten zu zerbröckeln,
Um die Fesseln zu zerreißen,
Deren Ringe um die JulzeitSchrumpfen ein zu Härchendicke.
Aber ruft der Hahn im FrührotBon des alten Vaters ThorenUm das Julfest anzukünden:
Werden jener Kette GliederAlle plötzlich wieder dicker.
Kalew's Sohn versucht die RechteMit Gewalt von Zeit zu ZeitenAus der Felsenwand zu reißen,
Und mit Schütteln und mit RüttelnMacht den Boden er erbebenUnd die Hügel zitternd schwanken,
Und das Meer fängt an zu schäumen;
Doch ihn hält die Hand von Mana:
Daß der Wächter nicht vom Thore,
Der Beschützer nicht entweiche.
Einmal wird die Zeit beginnen,
Wo die Späne von zwei SeitenIn gewalt'gen Flammen brennen,
Und die offnen Gluten schmelzenTann die Hand auch von dem Felsen.
Dann kehrt Kalew auf die Erde,
Seinem Volke Glück zu bringen,
Eine neue Zeit der Esten.
o. Das Volks-Epos der Lappen. Noch freier als Kreuzwaldim Kalewipoeg ist I)r. Bertram in Bearbeitung der vom PastorFjelder in Lappmarken 1850 aus Volksmund aufgezeichneten Sagender Lappen zu einem einheitlichen Volks-Epos verfahren, das denTitel führt: Peivash Parnoh, die Sonnensöhne. (55 Seiten.)
Er bringt Sachen, von denen das Original absolut nichts bietet, wenner sich auch dem Ton desselben durch Verschmelzung von Allitteration, Assonanz