Band 
[Zweiter und dritter Band.]
Seite
304
JPEG-Download
 

304

mich an dieser Idee so anzieht. Unsere Sitten, der feinste Duft unserer Philo-sophien, unsere Verfassungen, Häuslichkeit, Künste, kurz alles muß auf eineungezwungne Art darin niedergelegt werden und in einer schönen har-monischen Freiheit leben, sowie in der Jliade alle Zweige der griechischenKultur u. s. w. anschaulich leben. Ich bin auch gar nicht abgeneigt, mireine Maschinerie dazu zu erfinden, denn ich möchte auch alle Forderungen, diemau an den epischen Dichter von Seiten der Form macht, Haarschars erfüllen.Diese Maschinerie aber, die bei einem so modernen Stoff, in einem so prosai-schen Zeitalter die größte Schwierigkeit zu haben scheint, kann das Interessein einem hohen Grade erhöhen, wenn sie eben diesem modernen Geiste ange-paßt wird. Es rollen allerlei Ideen darüber in meinem Kopfe trüb durcheinander,aber es wird sich noch etwas Helles daraus bilden.

Welches Metrum ich dazu wählen würde? Kein anderes, als ottaverinao. (Vgl. I S. 551.) Auch über die Epoche aus Friedrichs Leben, dieich wählen würde, habe ich nachgedacht. Ich hätte gerne eine unglückliche Si-tuation, welche seinen Geist unendlich poetischer entwickeln läßt. Die Haupt-handlung müßte womöglich sehr einfach und wenig verwickelt sein, daß dasGanze immer leicht zu übersehen bliebe, wenn auch die Episoden noch so reich-haltig wären. Ich würde darum immer sein ganzes Leben und sein Jahr-hundert darin anschauen lassen. Es giebt hier kein besseres Muster als dieJliade" u. s. w.

4. Seit Begründung des höfischen Kunstepos entstanden nur wenig Kunst-epen, welche der Anforderung Schillers genügen. Ich nenne besonders JordansNibelungen, ferner in gewissem Sinne Das Mädchen von Eapri von I. Grosse,Die Braut von Cypern von Paul Heyse, Die Völkerwanderung von H. Lingg,Ahasver von Hamerling rc.

tz 117. Charakteristische Gruppen oder Arten des Gunftepos.

Wir führen nachstehend die sämtlichen Kunstepen bis in die Gegen-wart je nach den in ihnen vorherrschenden Elementen vor. Als cha-rakteristische Gruppen oder Gattungen des Knnstepvs treten hervor:1. das altromantische oder höfische Epos, 2. das neurvmantische, 3. dasreligiöse, 4. das idyllische, 5. das historische, 6. das komische und dashumoristische Epos, 7. das Tierepos.

tz 118. Attromantisches oder höfisches Epos.

1. Das altromantische oder höfische Epos ist das Vorbild desneuromantischen. (H 120 d. Bds.) Es wurde aus Ritterburgen undan den Höfen kunstliebender Fürsten gepflegt.

2. Sein Stoff war den 3 Sagenkreisen von Karl dem Großen,von Artus und vom h. Gral entlehnt (I S. 45). Daher war es