Band 
[Zweiter und dritter Band.]
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tz 120. Das neuromantische Cpos.

Das altromantische, höfische oder mittelalterliche Epos wurde inder neuhochdeutschen Litteratur mit vielem Glück von verschiedenenDichtern nachgeahmt. Der Inhalt des neuromantischen Epos ist ebensowundervoll und abenteuerlich, als der des höfischen. Das gewöhnlicheVersmaß ist die Stanze.

Wir führen nachstehend einige hervorragende oder beliebte neuromantischeEpen inhaltlich oder kritisch mit Proben vor: 1. Wielands Oberon; 2. ErnstSchutzes Cäcilie; 3. Schutzes bezauberte Rose; 4. Kinkels Otto der Schütz;5. Oskar von Redwitz' Amaranth; 6. K. Hofmanns von Nauborn Ritter KonradBeyer von Boppard.

I. Oberon von Wie land. Oberon ist ein Poesiereiches,gehaltvolles, hochinteressantes romantisches Epos in 12 Gesängen. Estrug dem Dichter Wieland den Namen des Dichters der Grazien ein.Goethe urteilte darüber: „So lange Poesie Poesie, Gold Gold, undKrystall Krystall bleiben wird, wird Oberon als ein Meisterstückpoetischer Kraft geliebt und bewundert werden."

Inhalt: Der Ritter Hüon fällt bei Karl dem Großen in Ungnade. Erwird verbannt mit dem Befehle, nicht eher zurückzukehren, als bis er Zähnevom Kalifen von Bagdad und Haare aus dessen Bart bringen werde. Hüonreist nach Bagdad, und lediglich durch Oberons Unterstützung bringt er außerdem Verlangten noch des Kalifen schöne Tochter als Gemahlin mit. Trotzmancher Abenteuer trifft er gerade noch rechtzeitig zum Turnier ein, bei welchemseine Güter als Preis ausgesetzt sind. Er erringt den Preis, giebt sich dannzu erkennen und erhält seine Gemahlin zurück, worauf ihn auch Karl wiederzu Gnaden annimmt und mit Ehren auszeichnet.

Probe aus Wielands Oberon, vgl. Bd. I. S. 553.

II. Ernst Schulz es Cäcilie. Cäcilie in 20 Gesängen, derVerherrlichung seiner als Braut gestorbenen Cäcilie gewidmet, schildertin freien Wielandschen Stanzen die Bekehrung der heidnischen Dänenzum Christentum durch deutsche Krieger.

Schluß des poetischen Nachworts von „Cäcilie" in Oktaven (I. 550).

Du sitzest still auf deinem gold'nen Throne,

Vernimmst nicht mehr der Erde Lust und Pein,

Kannst mit lebend'gem Dank und ird'schem LohneDas treue Herz des Sängers nicht erfrcu'n.

Doch schmückt durch dich ihn seine Lorbeerkrone;

Was ihn verherrlicht, alles ist es dein.

Weil du es gabst, und weil es dich gesungen,

Hat sich sein Lied dem niedern Staub entschwungen.