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O Bruder, durch des Vaters That, die schnöde,
Ward unsre Jugend trauervoll und öde;
So ward die Saat zu einem Baum gelegt,
Der blut'ge Frucht und gist'ge Blätter trägt.
Daß wir zusammenkommen ziemt sich nun,
Und, haben wir beraten was zu thun.
So gieb zum Aufbruch deinem Heer Befehl!" u. s. f.
II. Rostem.und Suhrab, von Rückert. Rückerts Rostemund Suhrab hat es mit der Geschichtschreibung nicht zu thun; derDichter bietet vielmehr einen dem Schah-Nameh des Firdusi entlehntenheroischen Stoss mit Verwickelungen und dem tragischen Ende derHelden, wodurch das Epos ein volles Recht erhält, zur Kategorie deshistorischen oder Heldenepos gezählt zu werden.
Inhalt: Der Perserheld Rostem, dem sein Leibroß gestohlen wird, findetes im benachbarten Königreiche, wo er sich in der Nacht heimlich mit der Königs-tochter Tehmina verbindet.
Beim Abschied reicht er ihr eine Goldspange, mit der sie ihm — fallsaus der Verbindung ein Sohn erblühen sollte — den Großgewordenen sendenmöge. Tehmina erhält einen Sohn, den sie Suhrab nennt. Als der Groß-gewordene durch seine Mutter das Geheimnis seiner Abstammung erfährt, er-wacht in ihm abenteuerlicher Thatendrang und Sehnsucht nach dem Helden-vater. Er will den König von Iran besiegen, und den erledigten Throndem Vater geben. Die Mutter giebt ihm als Erkennungszeichen die goldeneSpange mit.
Mit seinem Heere alles vor sich niederwerfend, gelangt Suhrab bis an dieGrenzburg Irans. Tort besiegt er im Zweikampf den tapferen Burgvogt und nimmtnun auch den Kampf mit der als Ritter verkleideten waffengeübten Geliebtendieses Burgvogts auf. Auf ihrem Rosse kommt sie mutig gegen ihn angesprengt.Aber ihr wuchtiger Stoß vermag Suhrab nicht zu rühren. Da verliert sie dieSiegeszuversicht. Suhrab wirft ihr eine Fangschnur um den Hals; aber dieGeängstete weiß ihn durch Schmeichelworte zu bethören, daß er ihr dieselbewieder abnimmt. Sie entwischt nun in die Burg. Von der Zinne herab höhntsie und mahnt Suhrab zur Umkehr. Er erstürmt diese Burg, findet aber diebereits daraus entflohene Geliebte nicht mehr. Dieselbe giebt dem Könige Nach-richt, daß nur Rostem für diesen Helden der Mann sei. Rostem rückt an.Neugierig, seinen Gegner kennen zu lernen, schleicht er in der Dunkelheit inSuhrabs Lager, wo sein Erscheinen von Send, dem Einzigen, der Rostemkennt, bemerkt wird. Er will Rostem aus Licht ziehen. Aber Rostem schlägtihn so wuchtig auf die Stirn, daß er entseelt zu Boden stürzt. Dadurch ver-liert Suhrab den letzten Anhaltepunkt zur Entdeckung seines Vaters. Suhrabfordert den Mörder zum Zweikampf heraus, und steht nun, ohne es zu ahnen,seinem Vater Rostem gegenüber. Wie Löwen ringen die beiden ebenbürtigenGegner.
Der Kampf bleibt unentschieden. Am zweiten Tage wirft Suhrab seinenGegner zu Boden. Schon will er ihm den Todesstoß geben, als dieser ihm