Band 
[Zweiter und dritter Band.]
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vorspiegelt, die Landessitte verbiete, den im'Zweikampf zum erstenmal Besiegten,zu töten. Suhrab läßt sich bethören. Rostem nimmt alle Kraft zusammen undüberwindet nun den Suhrab, dem er ohne Zaudern den Todesdolch in dievertrauensselige Heldenbrust stößt. Todeswund droht Suhrab, daß der Treulosedereinst den Lohn für seine Untreue erhalten werde und zwar von seinem Vater,dem unüberwindlichen Rostem, für den er eine goldene Spange aus der Brusttrage. Von Schrecken und Entsetzen erfaßt, bog sich Rostem in zitternderHast nieder:

„Und zog der Spange Gold, besetzt mit den Rubinen

Von Sohnes Blut hervor, selbst mit blutlosen Mienen

Und rief: Suhrab, mein Sohn! Weh Rostem und Tehminen!"

Eine erschütternde Scene folgt. Suhrab verzeiht dem Vater und tröstet ihn,und dieser, vom Schmerz überwältigt, sinkt zu Boden:

„So lag er bei dem Sohn, selbst einem Toten gleich,

Und bei ihm lag der Sohn, im Antlitz totesbleich,

Im Antlitz totesbleich, am Herzen totcswund,

Mit Rosen seines Bluts blümend den grünen Grund.

Noch floß das Blut, noch stand der Odem nicht, noch sahUnd fühlt' er, sterbend freut' er sich dem Vater nah.

Den Vater, ob ihm schon von ihm dies Leid geschah,

Den er allein gesucht, den hatt' er doch gefunden,

Und lag, wie er geträumt, von seinem Arm umwunden.

So stirbt der Held! — Stumm und starren Blickes steht Rostem da,bis alle Ehrenbezeugungen für den gefallenen Helden und dessen Beisetzungs«feierlichkeiten vorüber sind. Dann schwingt er sich, vom Wahnsinn erfaßt, aufsein Schlachtroß, und fort irrt er in die Wüste, den Schmerz zu töten. BeimAbschied ruft er mit hohler Stimme, blaffen Antlitzes:

„Lebt alle wohl! Wenn man daheim von Rostem sprichtUnd fragt, wohin er kam? so sagt: Ihr wißt es nicht."

So endet dieses großartige Epos, dessen reckenhafter Heroismus, dessenruhige Schönheit, dessen Reichtum des Farbenwechsels, dessen Fluß der Dar-stellung, dessen Kühnheit der Charakterzeichnung Rückert zu einem der bedeutend-sten Epiker seiner Zeit erhebt. (Vgl. I. S. 315.)

III. Vergißs Äneis. Vergils Äneis, die man als eine Nach-ahmung der Odyssee bezeichnen muß, läßt die Römer von Äneas ab-stammen, und besingt in 12 Gesängen des Helden Irrfahrten nach derEroberung und dem Brand von Troja bis zu seiner Verheiratung mitLavinia, der Tochter des Königs Latinus.

Eben durch diese Verbindung wird aber Äneas der Stammvater vonRomulus und Remus. (Das in Hexametern geschriebene Epos ist von Boßu. a. in's Deutsche übersetzt. Schiller hat in seiner Übersetzung des 2. und4. Buchs der Äneide eine Vorarbeit zur Übersetzung des vr. I. E. Nürn-berger (2. Aufl. 1841) geliefert, welch letzterer die Schillersche Arbeit einver-leibt wurde.)

Eine Probe aus Vergils Äneis findet sich Bd. I. S. 553.