Band 
[Zweiter und dritter Band.]
Seite
339
JPEG-Download
 

339

11. Nibelungen im Frack, von Anastasins Grün. Dieseskomische Epos hat den leidenschaftlich für die Baßgeige schwärmendenHerzog Moritz <1688—1733 Administrator von Merseburg), zumHelden.

Seine Teile sind: Ein Stück Exposition, Jnvocation, nebst etlichen Epi-soden; Von einer Feder, einem Schwerte und einer Art, nebenbei etwas vonder Menschenhand; Intermezzo als Arabeske; Wie der Merseburger Hofpoetgesungen haben würde; Der Herzog bestellt sein Zeughaus und wirbt sein Heer;Der Herzog meint die Harmonie zu finden; Der berühmte Chevalier von Pöllnitzam Merseburger Hofe; Etwas von dem alten Riesen Einheer; Der Herzogbesiegt die Hydra der Revolution; Der Herzog bereist seine Staaten; Hierwird Spielzeug verfertigt; Eine Vision; Die Saiten klingen aus.

Probe aus Nibelungen im Frack. (Ausg. 1877.)

S. 17. Mein Held ist traun, kein Riese, das könnt' uns schnell entzwein,

Dir möcht' ein Wicht mein Riese, dein Ries' ein Zwerg mir lein;

Er ist nicht so groß, daß Mißgunst ihn noch verkleinern wollte,

Er ist nicht so klein, daß Liebe aufblasen ihn und strecken sollte.

S. 18. Sein Rößlcin heißt Marotte, im Baß geht's statt im Paß,

Von seinem Schenkeldrucke stöhnt, schnaubt der Geigenbaß!

Marotte, sei besungen wie deine Brüder im Stalle,

Du springst viel höher, weiter, du bist gewaltiger als sie alle!

S. 20. (Vgl. hierher die Probe Bd. I. S. 606.)

S. 41. Sie wandern fröhlich weiter. Der Herzog Plötzlich spricht:

„Mich dünkt, am Gotthardsteiche den Turm dort sah ich noch nicht!"„„Es thut mir, Sereniss'me, zu widersprechen leid,

Kein Turm ist's, nur Windmühle! die Flügel rührt's ja beiderseits"

„Sei's Windmühl oder Kirchturm, Entsetzen ist's zu sehn!

Denn seht, es regt sich, schreitet, auf uns scheint's los zu gehn!"

Und immer näher wallt es, hat Arme, Beine, Kopf, Und steht vor ihnen endlich, ein Goliath mit steifem Zopf.

Nach Ellen ist's zu messen vom Scheitel bis zur Ferse,

Langbeinig, wie hier im Liede die Nibelungenverse;

Sein Atem dröhnt, als blähten der Orgel Bälge sich.

Der Herzog ruft fast zitternd: „Wer bist du und von wannen? sprich!"

,,„O! kennt ihr nicht den Jonas vom Regiment der Langen?

Ich komm' auf Meilenstiefeln von Potsdam hergegangen,

Vom König, der den Riesen in Lieb' und Huld geneigt,

Nur nicht dem einen jungen, dem Riesen, den er selbst gezeugt.

Wie Finkler im Gehege, wie auf der Beize Sperber,

So locken Diplomaten, so packen uns die Werber;

Wie Schlingen junge Füllen, so fangen uns Verträge,

Daß nur der Tritt von Riesen den Staub am Haveldamm errege! rc.

S. 42. Der Glanz hat seine Schatten. Seltsam hat sich's begeben,

Der König kam uns mustern, als ich im Schenkhaus eben;

Zufall, daß ich bisweilen kein musikalisch Ohr,

Und mich der Trommel Wecker umsonst vom Schlafe rief empor.