Band 
[Zweiter und dritter Band.]
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Mit den Pfoten gar mörderlich an, und zwischen den OhrenFühlt' ich die Klauen und dachte wahrhaftig das Haupt zu verlieren:

Denn sie sind lang und scharf, er druckte mich nieder zur Erde.

Glücklicherweise macht' ich mich los, und da ich so leicht bin

Konnt' ich entspringen; er knurrte mir nach und schwur mich zu finden.

Aber ich schwieg und machte mich fort, doch leider behielt erMir ein Ohr zurück, ich komme mit blutigem Haupte.

Seht vier Löcher trug ich davon! Ihr werdet begreifen,

Wie er mit Ungestüm schlug, fast wär' ich liegen geblieben.

Nun bedenket die Not, bedenket euer Geleite!

Wer mag reisen? wer mag an eurem Hofe sich finden,

Wenn der Räuber die Straße belegt und alle beschädigt?

Und er endigte kaum, da kam die gesprächige Krähe,

Mcrkenau, sagte: Würdiger Herr und gnädiger König!

Traurige Märe bring ich vor euch, ich bin nicht im StandeViel zu reden vor Jammer und Angst, ich fürchte, das bricht mirNoch das Herz: so jämmerlich Ding begegnet mir heute u. s. f.

II. Rollenhagens Frosch-Meuseler. Rollenhagens „Frosch-Meuseler" (1505) oder „Der Frösche und Mäuse wunderbare Hof-haltungen" ist eine Neubearbeitung der „Batrachomyomachie" und eineParodie des homerischen Stils.

Das Epos ist wertvoll als Versuch, eine ganze Epopöe didaktisch auszu-führen. Es zeigt im 1. Buche, wie alles seine Feinde habe, wobei es diebürgerlichen Stände durch Tiere vorstellt. Im 2. Buch folgen Erörterungendes Froschkönigs Bausback mit dem Mäusekrvnprinz Bröseldieb über die besteStaatsvcrfafsung. Im 3. und letzten Buch beginnt der Krieg zwischen Fröschenund Mäusen, welch' letztere trotz tapferster Gegenwehr doch ihren Feinden weichenmüssen, da jene sich durch die gepanzerten Krebse verstärken. Das Gedicht istreizend in den Einzelheiten und gewinnend durch anmutige, behagliche epischeBreite; aber in der innern Komposition ist es nicht eng genug gefügt und zu-sammengeschlossen.

Probe aus dem Froschmeuseler, von Rollenhagen. (Ausg.von K. Goedeke. 1876. S. 64. Die Orthographie ist verändert.)

Bröseldieb sagt, wer Murner sei.„Murnern, der Katzaner Patron,

Lehrt mich kennen mein Mutterfron;

Ich bat, wie ich noch war ein Kind,

Wie die Kinder sürwitzig sind,

Sie wollt's lassen einmal geschehen.

Mich auch lassen die Welt besehen . . u. s. w.Sie wehret ab mit Hand und Mund,

Predigt mir viel von Katz und Hund,

Wie die uns wären so gesähr.

Ich bat und gilferr immer mehr,

Bis sie zuletzt williget drein,

Daß ich ein Stund möcht von ihr sein,Warnet doch mit ganzem FleißUnd saget von des Murners Weis,

Daß er versteckt im Winkel säß,

Und die Mäuslein ohn' Brot einsräf,

Das wäre sein allerliebste Speis,

Den sollt ich ja meiden mit Fleiß.

Ich schlich unter der Wand Herfür

Nach unsers Schlosses Vorderthür,

Die in des Mantiers Haus hinging,Davon es Wärme und Rauch empfing.Und guckt heimlich zuerst herausWie ein unbewanderte Maus,

Ob auch da wär sicher Geleit,

Oder ob der Murner säß zur Seit.

So saß im Haus im SonnenscheinEin schönes weißes Jungfräulein,

Sein Äuglein glänzten bell und klar,Es leckt und schlichtet seine Haar,Küsset die Händ und wusch sie reinÜber die zarten Wängelein;

Das Herz im Leib verlanget mir,

Daß ich nur möcht treten hersür,Dasselb mit adeligen SittenUm seine Lieb und Freundschaft bitten,Küssen ihre schneeweiße Händ:

So hätt all meine Sorg ein End. —Es trat aber am Platz herum