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schreitet. Gegen die Einfachheit verstößt es auch, jeden epischen Charakter gleichdem Helden ein Liebesverhältnis anknüpfen zu lassen u. s. w. ' Jean Paulsagt: „Die Liebe sieht sich ungern vervielfältigt angeführt, bloß weil sienur in ihrem höchsten Grad ideal ergreift, dieser aber wenige Wiederholungenerlaubt. Die Freundschaft hingegen verlangt Genossenschaft und achtet sie; einGärtchen mit zwei Liebenden und deren Kinder in den Blumen und ein Schlacht-feld voll engverbunden kämpfender Freunde erheben gleich hoch."
4. Interessante Darstellung. 'Um spannend, anziehend, interessantzu wirken, darf der Dichter zuweilen in Kreise führen, wo man hinter den Kou-lissen spielt, wo man hinter den Gardinen Geschichte macht; darf er Zustände desHoflebens entrollen; darf er in Gegenden führen, wo die Freiheit der Bewegungnoch unbeschränkt ist; in Gefahren, deren Ausgang für den Helden jeden Augen-blick Vernichtung zu bringen scheint; in ferne Weltteile mit ungekannten Völ-kern, Tieren, Pflanzen (vgl. Robinsonaden, Retcliffes Rena Sahib, RosenthalsSeeromane, Armands Fährtensucher, Coopers Der letzte Mohikan, GerstäckersFlatbootmann, Mützelburgs Schloß an der Ostsee, Wachenhusens Die Wüsten-jäger u. a.); darf er gewaltige Konflikte des Seelenlebens entfalten; darfer — nach dem Vorbilde Gottfr. Kellers, der Marlitt, Spielhagens — Ge-heimnisse des Seelenlebens ahnen lassen, ohne diese freilich auszuplaudern,wie es Auerbach im Landhaus am Rhein thut, wo Fräulein Milch leiseflüsternd der Professorin ohne Nötigung aus Sonnenkamps Leben berichtet unddie Spannung des Lesers beeinträchtigt. Leicht kann die Forderung einer an-ziehenden, interessanten Gestaltung dazu verleiten, dem Geschmack des wandel-baren Publikums zu große Rücksicht in der Wahl pikanter Stoffe und derenVerarbeitung zu widmen, ohne zu bedenken, daß der Dichter über diesemvom Vorurteil geleiteten Publikum stehen und es erziehen soll. Dem gediegenenRomanschriftsteller, welcher der wahren Kunst zu dienen sucht, sollte in ersterReihe nicht am Beifall der Menge liegen, für ihn müßte vielmehr das WortRückerts (Ges.-Ausg. VIII. 305) maßgebend sein:
Der Künstler, wenn ein Werk er hat gemacht für alle
Befragt verschiedene, wie jedem es gefalle.
Es kann nicht jedem gleich gefallen, doch zufrieden
Ist er, wenn es gefällt verschiedenen verschieden.
tz 137. ästhetische Anforderungen an den Roman.
Alle ästhetischen Anforderungen an das Epos gelten auch demRomane.
Hierzu kommen noch einige besondere Vorschriften in Hinsichtg.. der Sprache und Darstellung, d. der Schilderung körperlicher Vor-züge, e. der Benennungen von Charakteren und Orten, wie der Ro-mane selbst. »