Band 
[Zweiter und dritter Band.]
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g,. Sprache und Darstellung. Die Prosa des Romans muß ästhe-tisch anmutig, gefällig, anschaulich, klar sein. Sie soll alles Schmutzige, Scham-lose ausschließen, so daß man sich stets in guter Gesellschaft fühlt. Sie sollferner weder lyrisch erhaben noch poetisch süßlich und ebenso wenig schwülstigrhetorisch sich gestalten. Sie soll vollendet schöne Prosa sein und bleiben (vgl.Bd. I. S. 16). Als solche soll sie der Prosa ihrer bestimmten Zeit entsprechen,ohne doch die Prosa derselben nachzuahmen, wie es der glücklicherweise geschichtlichüberwundene, neuerdings von Gottfr. Flammberg (Pseud. für Ebrard) wiederversuchte sog. chronikalische Roman that, der die Ereignisse in der nämlichenSprache erzählt, welche zu der bestimmten Zeit gesprochen wurde.

Was die Darstellung des Romans betrifft, so kann diese langer Mono-loge um so mehr entbehren, als es dem Dichter ja frei steht, beschauliche Selbst-gespräche durch die Schilderung zu ersetzen. Man vgl. als Muster Freytag,Goethe (Wilhelm Meister I. Buch Kap. 17), Spielhagen (Problematische Na-turen), Gottfr. Keller.

Auch der Dialog gehört in seiner Ausbreitung nicht eigentlich oder we-sentlich in den Roman, der ja kein dramatisches Kunstwerk sein will. Er istjedoch am Platze, wo durch ihn die Belebung erfolgreich wird, wo die Ge-spräche die Handlung fortleiten und mit ihr in kaüsalen Zusammenhang bringen.

k. Schilderung körperlicher Vorzüge. Besonderes Geschick erfordertdie gelegentliche Schilderung körperlicher Vorzüge. Körperliche Schönheit sollteman nach Lessing nur in ihrer Wirkung schildern. „Malet uns, ihr Dichter,das Wohlgefallen, die Zuneigung, die Liebe, das Entzücken, welches die Schön-heit verursacht, und ihr habt die Schönheit selbst gemalt!" Hiefür ist nötig,daß der Dichter die Personen schildere, indem er sie handeln läßt. Er gebez. B. eine oder einige Eigenschaften der Heldin an, erzähle, wie sie ihr locken-umrahmtes Haupt erhob, wie der tiefe, wehmütige Blick aus dem dunkelnAuge ins Herz drang und male so den Totaleindruck durch ihr eigenes Thun rc.Die Schilderung Philinens von Goethe in Wilhelm Meister ist ganz der WeiseHomers entsprechend rc.

e. Benennungen von Charakteren, Orten. Nicht ganz unwesent-lich ist im Roman die Wahl der Namen. Eine großartig angelegte Helden-natur möchte Eckstein nicht Knöpfle nennen. Wir auch nicht, da Namen undCharakter sich möglichst decken sollen. Freilich darf der Name nicht schon dieFirma für die ganze Geschichte ergeben, wie z. B. Spürnase für einen Spion,der Heldenthaten verübt; oder Leichtfuß für einen Verschwender. Der Namesollte weder banal, noch allzu sezierend scharf sein.

Eine abgeschmackte Manier ist die farblose Bezeichnung der Personendurch Buchstaben (z. B. Major P. in N. Oder: Er lebte seit einigen Jahrenin K. rc.). Solche lächerliche Diskretion ist ebenso verwerflich, als wenn derDichter durch Angabe ^es Alters jeder Schönen den Verdacht erweckt, es seiihm um eine Biographie zu thun.

Ebenso lächerlich ist es beim Roman, der in seinem Inhalt ein Bild derSitten, Zustände und der Zeit entrollt, schon auf den Titel zu setzen: Kultur-