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Als Gegensatz zur Hof- und Volksdichtung entstand im 17. Jahrhundertder gelehrte, höfische Roman, sowie der Abenteuer- und Schelmenroman. (Aus-zählung s. I 52 L. u.) Anfangs des 18. Jahrh, gewannen die Robinso-naden eine außerordentliche Verbreitung: es erschienen über 40 verschiedeneRobinsone, ein geistlicher, ein jüdischer, ein medicinischer, ein westfälischer u. s. w.
Das sich emporhebende Bürgertum ermöglichte im 18. Jahrh, den Familien- s
roman, sowie — nach Walter Scotts Vorgang — den historischen Roman.
Nach dem Romanversuche Gellerts (Die schwedische Gräfin) haben Wielandund neben ihm Musäus und Hermes die ersten vollkommenen deutschen Original-romane geschrieben. (I 54 1. und 55 in.) Durch Schillers großartige Bühnen-erfolge (I 56) wurde für die Folge die deutsche Litteratur in neue Bahnengelenkt: man verließ das Gebiet des Romans und der Novelle und suchte Er-folge im Drama. Da war es Goethe (I 57), der die alten Versuche wiederaufnahm und den deutschen Roman auf die neue Stufe echt künstlerischer Dar-stellung emporhob. Er schrieb (seit 1807) die für die Wanderjahre bestimmtenNovellen, zu denen auch die Wahlverwandtschaften gehören sollten, die jedochwährend der Arbeit äußerlich wie innerlich zum Roman sich gestalteten. DerVater des humoristischen Romans (der den Prometheusfunken des Romans
— den Humor — von den Engländern Sterne, Swift, Fielding entlehnte)wurde Jean Paul (vgl. I. 58 auch seine Nachfolger).
Eine eigenartige Färbung erhielt der Roman der Romantiker. Er leitete ^
auf das christlich mystische Gebiet hinüber und trug mehr oder weniger einegewisse Voreingenommenheit für Weichlichkeit, Sentimentalität, Abenteuerlichkeit,Farbenpracht rc. zur Schau (Aufzählung I 60).
Auf Goethe blickend hatten es sich die Vertreter des jungen Deutschlands(I 61) zur Aufgabe gemacht, eine geistvolle Prosa zu bieten und das geist-reiche Element, die geistreiche Unterhaltung in den Roman einzuführen. Diecharakteristischen Reden der Romanhelden benützten sie, das jedesmalige Handelnzu motivieren, zu erklären, ohne doch der dramatischen Lebendigkeit und derbunten Färbung zu entbehren. Der Leser sollte die behagliche Freude desDichters am geistreichen Gespräch jedoch nicht merken. Da nun aber beim je-weiligen Begegnen der Charaktere des Romans deren Gespräch häufig in poin-tierte, der Befriedigung und Selbstbespiegelung der Sprechenden gewidmetePhrasen auslief, so mußte es den Anschein gewinnen, als ob manche Unter-redung nur den glänzenden Phrasen zuliebe geschrieben sei; ja, es mußte sichfragen, ob durch die Spielereien des Scharfsinns, des Geistreichthuns und Geist-reichtums nicht die schönen Bilder und Empfindungen der produzierenden Phan-tasie in den Hintergrund gedrängt wurden.
So wurde es denn mit Jubel begrüßt, als sich allmählich — wie von selbst
— eine neue gesunde Epoche in der Romanlitteratur vollzog durch Freytag, Keller,
Reuter, L. v. Franyois, Ebers, Gutzkow, Scheffel u. a.: durch Frey tag, der dasVolk bei seiner Arbeit aussucht und indem er die Arbeit verherrlicht, den modernensocialen, aus dem vollen Menschenleben schöpfenden Roman bot; durch Keller,der durch seine objektive Darstellung, wie durch seine sonnigklare Erzählungs-