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theatralischen Tramen nötig sei. (Es hat z. B. Shakespeare in Richard III.das Laster durchaus poetisch eingeführt; Richard III. begeht eine Schandthatnach der andern.) Die Befriedigung des sittlichen Gefühls der Jugend liegtdarin, daß jede schlechte That ihre Strafe insofern in sich birgt, als sie alsFolge der vorhergehenden erkannt wird, sowie daß die Strafe den Verbrecherereilt und der Satz illustriert wird: „Alle Schuld rächt sich aus Erden." BeiGoethes „Mitschuldigen", wo eine ganze Familie, Vater, Tochter, Gatte, Lieb-haber sich gegenseitig aus den nächtlichen Schleichwegen des Lasters treffen,findet sich keine Sühne der verletzten Sittlichkeit. Der Dichter verurteilt selbstdie Einführung des Lasters in seinen „Mitschuldigen". Das heitere, burleskeWesen erscheint auf dem düstern Familiengrunde als von etwas Bänglichembegleitet, so daß es bei der Vorstellung im Ganzen ängstigt, wenn es im Ein-zelnen ergetzt. Die widergesetzlichen Handlungen verletzen das ästhetische undmoralische Gefühl, und deswegen konnte das Stück auf dem deutschen Theaterkeinen Eingang finden.
Analysen und proben aus dramatischen Gedichten.
1. Kaiser Heinrich IV. von Fr. Rückert. (1. und 2. Teil.)
1. Teil. Der Kaiser Heinrich IV. geht nach Canofsa, um sich vomBann lösen zu lassen. Die lombardischen Edlen empfangen ihn an der Grenzeund erbieten sich, ein Heer gegen den Papst zu werben. Heinrich zeigt sichunmännlich und von religiösen Vorurteilen eingenommen. Er ist unselbständigund besonders kurzsichtig gegen die Schlauheit des Papstes, als dieser sürein Gottesurteil die halbe Hostie ißt und ihm die andere Hälfte reicht. (Leiderversäumt Rückert in der Canossasccne den erhabensten Principienstreit des Mittel-alters darzustellen, er legte die ganze Scene nur einem Erzähler in den Mund :c.)Rudolf wird Gegenkaiser. Der Papst lehnt es ab, Rudolf in den Bann zuthun. Da sammelt sich bei Regensburg ein Heer zum Beistand für Heinrich.Mainz erhebt sich. Der Kampf beginnt. Heinrich ist siegreich und zieht nunnach Rom, um sich dort die Kaiserkrone aufsetzen zu lassen. Mit den begeistertenRufen: „Hoch Deutschland, hoch, wir siegen" werden die Mauern erstiegen.Heinrich hält siegreichen Einzug in Rom, während der Papst entflieht. Erz-bischof Wipert, den Heinrich als Clemens III. einsetzt, empfängt den festlicheinziehenden Kaiser und seine Gemahlin Bertha vor dem Hauptaltar der Peters-kirche und setzt ihnen die Kaiserkrone auf. —
Im 2. Teil zeigt unS der Dichter zunächst Heinrichs Toleranz im Gegen-satz zur Intoleranz des Papstes. Heinrich verweist dem Bischof Werner dasAnsinnen, Rudolfs Grabdenkmal umzustoßen und die Asche in den Fluß zustreuen. Er verzeiht dem Grasen von Luremburg und den Herzogen vonBayern. Einzelne Scenen schildern einbrechende Prüfungen. Heinrichs Ge-mahlin stirbt, als er eben nach Italien ziehen muß. Der Abfall seines SohnesKonrad wird gemeldet. Papst Urban tritt aus seiner Passivität heraus und machtsich populär durch seinen Aufruf zum Kreuzzug. Auch Heinrich V., vom Vater