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6. Übungen in der Stellung und Aufeinanderfolge der Reimeverbinden wir in fpäteren Paragraphen mit der Lehre von der Strophe.
7. Auch in den einfachsten Reimübungen ist auf Reinheit desReims zu halten. Wir begreifen darunter die Gleichartigkeit desreimenden Klangs, nämlich:
u. der Diphthonge. Somit dürfen sich nicht folgen ei—eu (z. B.eitel—Beutel), ai—an (z. B. Kaiser—Häuser), ai—eu (z. B. Mai—neu),ei—äu (z. B. Weite—Geläute);
b. der Vokale. Unrein sind demnach i—ü (z. B. lieben—üben), e—ä(z. B. bewegen—Schlägen), e—v (z. B. beten—Nöten), ö—ä (z. B. hört—erklärt);
o. der Konsonanten. Unrein wäre b—p (z. B. schreibest—kneipest),b—f (z. B. Fabel—Tafel), g—ch (z. B. Tag—Fach), g—ck (z. B. mag—Geschmack);
ä. der Silbenquantität. Es darf nur die betonte Silbe Trägerindes Reimes sein, nicht aber die Nachsilbe. (Unrein ist also Spiegelung—Hoffnung, nicht aber sterblich—verderblich.)
6. Unrein ist endlich der Reim, welcher kurze Silben (") auf gedehntebezieht (z. B. Herr—Meer, will —viel). Inkorrektheiten im Buchstaben, sofernder Klang sich deckt, mögen gelind beurteilt werden. Dem vollendeten Dichterwerden gewisse Freiheiten (wie z. B. der Reim Kuß auf Gruß) gern einzu-räumen sein; bei dem Anfänger aber muß auf möglichste Reinheit gehaltenwerden, damit seine Freiheiten sich nicht bis zur Verwilderung häufen.
8. Wenn schon alle jene Begriffswörter anschaulich wirken, denenman ihre onomatopoetische Entstehung ansieht, so sind besonders jeneReimworte am wirksamsten, welche durch ihren Klang dasjenige schonim voraus malerisch andeuten, was sie ausdrücken sollen.
9. Für unsere praktischen Übungen sind fürs erste folgendeReimarten völlig genügend:
u. männlicher Reim, welcher mit der Hebung (Arsis) schließt, z. B.Gebrauch—Hauch;
d. weiblicher Reim, welcher mit der Senkung endigt, z. B. Liebe—Triebe,glühend—blühend; »
o. gleitender Reim, bei welchem 3 Silben reimen, von denen nur dieerste betont ist, z. B. schwellende—quellende;
ä. schwebender Reim, bei welchem Spondeus mit Spondeus reimt:u. steigend, z. B. bleck nah—schreib da, k. sinkend, z. B. Laut stört—Braut hört;
s. Doppelreim, welcher an eine Silbe (oder an die beiden Silben) desSpondeus eine tonlose Silbe anfügt, z. B. Sangmeister—Klanggeister; Klingeklang — Schlinge schlang.