Band 
[Zweiter und dritter Band.]
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Er schloß den Sarg von schwarzer Marmorglätte,

Ergrisf die Kelle, fügte Stein an SteinZum stillen Haus, umweht von Moderfeuchte,

Und bei ihm saß der Mönch und hielt die Leuchte.

Als Morgens früh des Klosters kleine GlockeZum Beten rief, trat aus dem KirchengangTheodorich, und auf dem MarmorblockeDer letzten Stufe horcht er nach dem Klang,

Er strich von seiner heißen Stirn die Locke,

Sein jugendliches Antlitz überdrangEin tiefer Ernst und in der MorgenwolkcFlog über ihm ein Adler vor dem Volke.

§ 42. M-mlg von SrcüianLN.

1. Alle bei der Oktave gegebenen Vorschriften rc. haben mehroder weniger auf die Siciliane Anwendung, welche ja die Vorläuferinder Oktave ist und aus 8 jambischen Verszeilen besteht, wie jene.

2. Sie schließt ihre Glieder durch den Reim zusammen (ab» ab ab ab).

3. Ein strophisches Charakteristikum ist bei der Siciliane nichtnötig, da sie in der Regel ein für sich bestehendes, in sich abgeschlossenesGanzes, also ein fertiges Gedicht bildet.

4. Demnach schließt sie — wie das Schema zeigt — auch nichtmit einem Reimpaare ab, sondern mit einer vierten aus Vorder- undNachsatz bestehenden Periode.

5. Je nach dem Inhalt hat die Siciliane männlichen oder weib-lichen Reim, oder auch abwechselnden männlichen und weiblichen Reim.

Aufgabe. Das Menschenherz.

Stoff. Ein dein Wassertod entflogenes Bienchen wird das trügerischeGleißen des Wassers meiden; ^ ein durch die Angel belogenes Fischlein wirdnicht mehr an den Köder gehen; ^ ein Lamm, das man dem Wolf entrissen,wird gern im schützenden Stalle bleiben; j nur das so oft betrogene Menschen-herz läßt sich immer von neuem ins Unglück ziehen, j

Lösung.

Das Bienlein, das dem Wassertod entflogen.

Wird es nicht fliehn des Wassers trügend Gleißen?

Das Fischlein, von der Angel schwer betrogen,

Wird es wohl wieder an den Köder beißen?

Das Lamm, das du dem Wolfe hast entzogen,

Wird's nicht die Sicherheit des Stalles preisen?

Dein Herz nur, Mensch, das öfter schon belogen,

Läßt stets aufs neue sich ins Unglück reißen.