Band 
[Zweiter und dritter Band.]
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sprechen. Sie darf daher niemals eine hochtrabende sein. Aber da jederDialekt eine Menge Nuancen und Abstufungen vom Edleren zum Gewöhn-lichen, vom Feineren zum Gröberen und Gemeinen hat, so soll der Dichtermöglichst oben bleiben und die edlere Ausdrucksweise bevorzugen. Auch imDialekt soll das Unschöne vermieden und das Schöne in naiv-idealer Weisezur freundlichen Anschauung gelangen, und dieser Grundsatz muß nach Möglichkeitauch da noch festgehalten werden, wo der derbe Humor zum Worte kommt;denn auch beim urwüchsigsten Humor muß man sich immer noch in guter Ge-sellschaft befinden. Die gröbere Sprache hat stets gröbere Stoffe im Gefolge,die eben der Dialektdichter bei Seite lassen soll, um nicht zur Vergröberungder Gefühlsweisen, der Sitten und des Ausdrucks beizutragen. Er soll —

um mit Ad. Grimminger in „Moi Derhoim" zu sprechen — „das Volks-gemüt in seinem Gemütssonntagsstaat" darstellen. Als abschreckendeBeispiele können Gedichte der verschiedensten Dialektdichter dienen. Wir be-schränken uns aus folgende Probe von Weitzmann:

Er (der Wunderdoktor) hab die feinista ' De gsunde Leut zeit er zum Speia,

Manier«, ' Te kranke zum Purgira ei',

Und d'Arbet gang ihm vo' der Hand, Und wo ma hairt „o Jeses!" schreia,Und keiner könn so d'Leut balbira ^ So hoißts: Do muaß der Tokter

Und schreapfa, as wie's er verstand. ' sei'! u. s. w.

§ 76. Übertragung des Dialektgedichts ins Hochdeutsche und

umgekehrt.

I. Übertragung ins Hochdeutsche.

Da das Verstehenlernen unbekannter Mundarten und das mühsame Zu-sammenstöppeln der fremden Dialektausdrücke nach unvollkommenen Wörter-büchern viele um den Genuß bringt, die Dialektgedichte als abgerundete Ganze,als lebendige Schöpfungen in vollem Geisteszugc zu genießen und sich diesemVergnügen ungestört und unbefangen hinzugeben, so hat mau es mehrfach ver-sucht, die wirkungsvollsten Dialektdichtungen ins Hochdeutsche zu übertragen.(Ich erinnere nur an Robert Reinicks gelungene, empfehlenswerte hochdeutscheÜbersetzungen der I. P. Hebelschen Dichtungen, die mit Bildern und Zeich-nungen von L. Richter 1876 bereits in 6. Auflage in Leipzig bei Wiganderschienen und in welchen der Dichter-Übersetzer dem Wortgeiste hie und dadie Worttreue geopfert hat, um den zarten Hauch natürlicher Unbefangenheitnicht durch eine pedantisch-wortgetreue Übersetzung zu einer steifen, hölzernen,kalten oder gar unverständlichen Wendung zu formen; mit Rücksicht auf dieSchlichtheit des Verses hat er auch in verständnisvoller Weise die Wortstellunggeändert, dem hochdeutschen Gedanken hochdeutschen Reim verliehen u. a. m.)Doch hat man nicht immer die erwartete Anteilnahme seitens des größeren,hochdeutschen Publikums gefunden, da sich mit der Verpflanzung des Dialekt-