Band 
1888
Entstehung
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Vorwort.

Der „Litteratur-Kalender" erscheint in diesem Jahre so wesentlich ver-spätet, daß seine Freunde der Ueberzeugung leben werden, es gebe dafürgar keine Entschuldigung. Und doch gibt es nicht nur eins solche, son-dern deren sogar zwei, wie diejenigen sehen werden, die dieses Vor-wort lesen — und das werden so ziemlich alle Käufer des Buches thun,da man den «Schriftstellern wohl nicht mit Unrecht nachsagt, daß sie dieEinzigen seien, die für diesen letzten Stoßseufzer der geplagten undendlich befreiten Autoren- resp. Herausgeberseele das rechte Verständnismitbringen. Die erste Entschuldigung zeigt sich in der feierlichen Anklage,die ich hiermit im Namen aller Benutzer meines Buches gegen diejenigenerhebe, die säumig gewesen sind in der Einsendung der erbetenen Datenund Mitteilungen, und denen ich dafür gleich unkollegialifch ein solchesEinschrumpfen ihrer Honorare wünsche, daß ihnen eben nur noch genugübrig bleibt, um den Kalender zu erwerben. Sie haben den Fortgang derArbeit aufgehalten und diese wegen der notwendig werdenden Recherchenoft bis zur Peinlichkeit unangenehm gemacht. Die zweite Entschuldi-gung liegt in der Arbeit selbst. Der Kalender dehnt sich aus wie seiner-zeit das römische Reich und die Regierung darüber wird mit jedem Jahreschwieriger, die Kosten der Verwaltung werden größer, woraus sich auchdie schon im vorigen Jahre schüchtern angedeutete Erhöhung des aufzu-legenden Tributs erklärt. Der Kalender fing mit einer sehr bescheidenenSammlung von Schriftstellern und Schriftstellerinnen an, so bescheiden, daßman bequem aus<ihnen ein mittelstädtisches Kaffeekränzchen hätte zu-sammensetzen können, bei dem, dank dercheiblichen litterarischen Handarbeit,auch die bunte Reihe nicht hätte aus dem spiel zu bleiben brauchen.Im vorliegenden Jahrgang sind älteiü fast 4000 Persönlichkeiten dembereits im Vorjahre auf 12000 sich belaufenden Stamme zugewachsen undich schließe aus untrüglichen Anzeichen, daß die Zunahme ihren Höhepunktnoch nicht erreicht hat. Das biblische „seid fruchtbar und mehret euch"erhält, wie es scheint, für die deutsche Schriftstellerwelt eine ganz beson-dere Bedeutung. Wurde mir doch von einem fleißigen Förderer meinesWerkes versprochen, weitere 32 000 Mann auszuheben, ein Anerbieten,das einen deutscher: Kriegsminister in Wonnen versetzen, aber einendeutschen Kalendsrmacher mit Krausen erfüllen kann. Doch ein Auswegwird sich finden lassen und sollte ich den Kalender dreiteilen müssen, nachdem vielleicht durchzuführenden Prinzip von Linie, Landwehr und Land-sturm — ein Amazonenkorps könnte dann noch außeretatsmäßig formiertwerden.

Doch ich gerate auf Abwege, was wohl einem Manne zu verzeihenist, dem der Kopf so voll von lexikalisch-trockenen Arbeiten ist, daß ihmder Mund da übergeht, wo er auch einmal in zusammenhängenden Sätzen