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Montag, den 15. December 1862 : Die Nibelungen. EinTrauerspiel von Iriedrich Hebbel.
Die alten nordischen Sagen lassen Odin am liebstenim Regenmantel über die Erde dahin schreiten: unabsicht-lich bezeichnet dieser eine Zug auf das Schärfste und Glück-lichste das Wilde, Nebelhafte, Unbestimmte dieser ganzennordischen Götterwelt. Kein Dichter, kein Künstler hatsie plastisch zu gestalten vermocht, von'Frigga und Thor,von Odin und Baldur, von Loki und den Riesen ist keinBild in Stein oder Erz gefertigt worden oder auch nurdenkbar. Das Zerfließende, Spukhafte, Gestaltungslosemacht das Eigenthümliche der nordischen Dämmerung,Waldnacht und Nebelwelt aus. In dem ersten Theil derNibelungen, der von dem gehörnten Siegfried und Brunhildvon Jsenland handelt, spielt dies Mythische die Haupt-rolle; diesem Gebiet enthoben, verliert der Conflict zwischendem Helden und der Walküre die tiefere Wahrheit. Mitdem Auftreten Attila's und der Hunnen mischt sich danneine historische Erinnerung an die Kämpfe der Burgundenund Hunnen in die Sage. Was aber das Gedicht sehrgut verbinden konnte, den Mythos und die Geschichte, daswill sich nicht in ein Drama zusammenfügen lassen. DasDrama fordert Menschen, menschliches Wollen, menschlicheThat und Schuld, die Mythe weist darüber in das Ewigeund Unerforschliche hinaus. Im Liede mag man sich imDrachenblut baden, die Tarnkappe besitzen und ein Riesesein, im Trauerspiel darf man es nicht. Die HeldenthatenRoland's sind der Stoff für Meister Ariosto und seinenScherz, aber nicht für Alsieri's Bühne. Dennoch habendie dramatischen Dichter sich gern und vielfach mit Sieg-frieds Kampf und Untergang beschäftigt; auf Fouquo ist