Band 
[Erster Band]
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rothe Haar des Judas allein macht es nicht, das Kains-zeichen muß deutlich der Stirn dieses Mannes aufgeprägtsein. Unter den Andern standen Frau Crelinger alsUte, Frau Frieb-Blumauer (Frigga), Herr Berndalmit seiner traurigen Rolle als König Günther in ersterReihe. Der Beifall des Publikums war reckenhaft, nachjedem Fall des Vorhangs doppelter, dreifacher Hervorruf,das klang, als hätten sich alle Hände in Balmungklingenverwandelt.

Sonnabend den 10. Januar 1863: Waldemar. Schau-spiel in fünf Akten von Gustav zu putlitz.

Unter der Herrschaft der Posse, wo die Verfluchungdes Tiefsten und die Entweihung des Herrlichsten, wiejetzt in Gonnod's Oper „Margarethe", ihre Triumphefeiert, sollte man jedes Drama, in dem ein würdiger In-halt in ansprechend edler Form erscheint, mit freudigemZuruf begrüßen; galten doch in der römischen Kaiserzeit,als es keine Catonen und keine Gracchen mehr gab, Cre-mutius Cordus und Pätus für Helden der Freiheit.Wiederum aber fordert ein künstlerisches Werk, das einemIdeal der Schönheit nachstrebt, einen andern Maßstab,als eine Arbeit, die nur dem Tage dienen und das Publi-kum auf eine müßige Stunde unterhalten will. Wenn die„Waise von Lowood" oder ein Lustspiel von Benedixden Herren im Theater ihre Whistpartie, den Damenihren englischen Roman ersetzen, so haben sie ihren Zweckerfüllt, allein ein Dichtwerk hat ein höheres Ziel: eswill erheben und die Seele des Zuhörers mächtig er-greifen. Schon durch diese Unterscheidung ehrt es die