51
heit einen populären Zug; trägt man, wie billig, der fran-zösischen Anschauung Rechnung, so offenbart sich in ihneninmitten aller Fratzen ein ethisches Prinzip, der Siegdes Guten über das Böse wurzelt hier tiefer, als nur inMädchenohnmachten und zufälligen Schlachtfeldern von Ma-genta. Octave Fenillet versetzt uns aus den Volkskreisenin die gute Gesellschaft, er zeigt uns einen Sumpf, überden die Tugend als Irrlicht hin- und herhüpft. An dieaufrichtige Besserung dieses Montjoye glauben wir nicht;in seiner Lage war es eben das Klügste, alle, die er be-leidigt, verhöhnt und geschädigt hat, zu versöhnen, ummorgen in der Maske der Redlichkeit die Welt aufs Neuebetrügen zu können. Einzelne Charaktere sind mit Sorg-falt und Liebe ausgeführt und wissen, wie der ehrlicheHorace Brandin, der „himmelblaue" Idealist, der nieGlück gehabt hat, und die kindlich reine Cacile rasch dasInteresse des Zuschauers zu gewinnen. Eine und die andereScene ist anmuthsvoll, so die, wo Cocile ihren schüchternenFreund zu seiner Werbung um ihre Hand zu ermuthigensucht. Auch in den Uebergängen vorn Glück zum Mißge-schick, in der Annäherung und Vorbereitung der Katastropheoffenbart sich des Dichters theatralisches Talent: das Ganzeströmt jedoch einen ungesunden Hauch aus und erfüllt unsmit Widerwillen.
Aber, wirst man mir ein, man muß auch solcheSittengemälde kennen lernen, wäre es auch nur, um davorzurückzuschrecken. Im Ernst — gebt ihr euren Töchternvielleicht „Die Abenteuer des Faublas" in die Hand? DieserRoman ist doch, künstlerisch betrachtet, ein viel vorzüg-licheres Sittengemälde der französischen Gesellschaft vorder Revolution, als das Schauspiel Feuillet's ein Bild
4 *