61
Montag, den 28. November 1864: Hans Lange. Schau-spiel in vier Akten von Paul Heyse.
In seiner Chronik des Landes Pommern berichtetKantzow aus dem Jugendleben des abenteuerlichen Her-zogs Bugslaff eine in ihrer treuherzigen Naivetät anzie-hende Geschichte. Mit ihrem Gemahl Erich II. entzweit,von ihm getrennt, lebte seine stolze Gemahlin Sophia inRügenwalde mit ihren beiden Söhnen Bugslaff und Casimir.Sie mochte ihnen nicht wohl und ließ die jungen Prinzenan Leib und Seele verderben. Zuweilen nahmen sich dieBürger ihrer an und gaben ihnen Speise, Trank undbessere Kleidung. In zerrissenen Schuhen, in durchlöchertemWamms trieb sich so der ältere, Bugslaff, einmal auf demMarkte umher, als ein reicher Bauer aus Lantzke, HansLange, dort ankam. Dem Bauer ging der klägliche An-blick zu Herzen. „Hartog Bugslaff", so redete er ihnan, „wo geistu so her, esst du nergend tho Huß hörest?Wiltu nicht schyr froden, dat du neu Forste bist? Wildi de Moder nichts gewen, dat du so schlim Kleder unScho hebbest?" Das Gespräch geht weiter und endlichkleidet Hans Lange den Junker vorn Kopf zu Füßen inanständig Gewand und Schnhwerk. Dies, fährt Kantzowfort, ärgerte Frau Sophien so sehr, daß sie nun auchihrerseits ihrem zweiten Sohn Casimir ein neues Kleidgeben ließ. Was der Chronist von den Vergiftnngsver-suchen erzählt, die sie gegen ihre Kinder unternommenhaben soll, lasse ich billig dahingestellt: genug, Casimirstarb jung, noch vor seinem Vater Erich II., der im Schlossezu Wolgast 1474 erblich. Wieder war es Hans Lange,der nach dem Tode des Vaters dem jungen Bugslaff Mittelzur Flucht aus Nügenwalde aus dem Schlosse der Mutter