Band 
[Erster Band]
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stubenweisheit einer Großmutter die erregten Gemütherzum Guten lenken könne! Paul Heyse's Schauspiel hat mitder „Anne Life" von Hermann Hersch den volksthümlichenTon, die Gegenüberstellung höfischer Listen und Ränke undder schlichten Lebensklugheit, der Wahrheit und Unver-dorbenheit des Volkes, die Vermeidung jedes tragischenConslicts gemein. Dramatisch war die Geschichte desjungen Herzogs und seines bäuerlichen Beschützers nurdann zu verwerthen, wenn der Dichter den Widerstreitzwischen Mutter und Sohn vertiefte, dann hätte sich eineEntwickelung der Charaktere, eine Steigerung der Hand-lung herstellen lassen. Heyse führt uns dagegen nur eineReihe lose verknüpfter Bilder vor. Die Schuld, welchedie Mutter wider den Sohn begangen, wird von ihrenSchultern beinahe ganz auf die Herrn Ewald's von Lauen-burg — durfte der Marschall, weil das edle Haus derervon Massow noch blüht, nicht Hans Massow heißen? —gewälzt: zu ihrer Abbüßung fällt er im ritterlichen Kampfhinter der Scene. Kantzow's Bericht, der in seiner Schlicht-heit dem Leser das Herz rührt, wird dahin verstümmelt,daß der Marschall den Bauer zum Pfleger und Erzieherdes Prinzen bestimmt. Die freie, lebendige That eineswackern Mannes wird zum Ränkespiel eines Ehrgeizigenherabgesetzt: des Marschalls Absicht geht dahin, den Herzogauf dem Dorfe verbauern zu lassen und nur ein Zufallist es, daß der dumme Teufel da einmal wieder im Spielmit einem dummen Bauern den Kürzern zieht. Bekannt-lich sind die deutschen Bauern immer klüger gewesen alsder Teufel, das wissen die alten Sagen; daß sie aberauch klüger wären als die Diplomaten, hat sich leider nochnicht bestätigt. Kantzow's Bugslaff ist herrisch, trotzig,