Band 
[Erster Band]
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Sonnabend, den 4. April 1868: Phädra. Trauerspiel infünf Akten. Musik von W. Taubert.

Leicht ersichtlich ist, was auch den modernen drama-tischen Dichter immer wieder, obgleich der Versuch soselten gelingt, wie mit einem magischen Bande in diegriechische Götterwelt und Heroensage zurückführt: das edleMaß des Schönen, eine Fülle herrlicher Gestalten, mitderen Namen schon wir Vorstellungen von Glanz undHeldengröße, von Lieblichkeit und tragischem Geschick ver-binden, ein Wechselspiel der Leidenschaften, ein Reichthumvon Ereignissen, die um so ergreifender wirken, je knust-vollendeter und verklärter sie uns in den griechischen Tra-gödien entgegentreten. „Des Dichters Aug' im schönenWahnsinn rollend" sieht dann den Olymp sich öffnen undGötter und Göttinnen auf dem Regenbogen Herabschweben,leise in Dämmerungen nahen von der Asphodeloswiese derUnterwelt vielgeliebte Schatten, ein wolkenloser Himmel,von Sonnenstrahlen durchleuchtet, spannt sich über dieThäler und Höhen von Hellas aus und um die Klippenrauscht das purpurfarbene Meer. Der Nachklang der KlageSchiller's um „die Götter Griechenlands" tönt dann auchin unserm Herzen wieder, unwillkürlich sind wir geneigt,jede Schönheit und jeden Reiz in dem Frühlingsmorgendes hellenischen Volkes zu suchen und zu finden.

Einer solchen, mehr lyrischen als dramatischen Stim-mung verdankt das Trauerspiel „Phädra" seine Ent-stehung. Es ist der Widerschein griechischer Kunst in derSeele eines hochgebildeten, fein empfindenden Mannes,der seine glückliche Muße im edelsten Dienste, in derBeschäftigung mit den Künsten, sich zur Befriedigung undden Anderen zur Freude und zum Genuß verwerthet.