Band 
[Erster Band]
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Wenn es sich bei der neuen Dichtung nur um das mehroder minder gelungene Werk einer poetischen fürstlichenLaune handelte, würde sich die Kritik mit dieser aufrich-tigen und herzlichen Anerkennung des edlen Strebens be-scheiden können; denn nicht gering ist es anzuschlagen, daßdie tragische Mnse in jenen Kreisen einen Verehrer findet,die lieber ihren Schwestern, den Göttinnen des Tanzesund Gesanges, folgen, denen der große Friedrich bei unsdas Haus erbaute. Aber den Dichter ehrt man nur,wenn man sein Werk einer freimüthigen Prüfung unter-zieht und die Besonderheit seiner Lebensverhältnisse nurso weit in Rechnung bringt, als sie, doch auch mit Noth-wendigkeit, auf seine dichterische Anschauung Einfluß übenmußte.

Die Leser wissen es: ich bin kein Freund von antikenStoffen auf der modernen Bühne. Es ist da ein schwerauszugleichender Gegensatz. Wer verschlösse sich dem Zauberhellenischer Götter? Wem öffneten sie nicht mit goldenemSchlüssel eine Welt voll Schönheitswundern? Aber dieseStimmung läßt sich wohl in einem Gedichte, in einerElegie, einer Dithyrambe, in bacchischen Chören oder inTrauergesängen nach- und austönen, selten aber zu einerdramatischen, uns ergreifenden Handlung verdichten. Ausdem Wesen des griechischen Volksgeistes heraus haben diegriechischen Dichter diese Stoffe gestaltet, dem modernenDichter bleibt nur die Nachlese; noch schlimmer, er wird,da ihm der Chor fehlt, gezwungen, neue Mvtive und Ver-wickelungen zu erfinden: so entsteht ein Zwittergeschöpf.Die Namen der handelnden Figuren, ihre Erscheinung,ihre Sprache ahmen der Antike nach; ihre Handlungenselbst aber und ihre Empfindungen haben den Zug des