Band 
[Erster Band]
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Theile der Dichtung nicht recht zusammen: hier ist dieEinheit nur in den beiden durchgehenden HauptpersonenTheseus und Phädra zu suchen. Auch darin springt derepische Charakter hervor, daß der jugendliche Held Theseusdes ersten und zweiten Aktes im dritten durch seinen SohnHippolyt abgelöst und aus dem Heldenjüngling zum Hel-denvater wird. Im Gedicht hat Helena kein Alter, ist sieewig jung und schon, der Zuschauer im Theater dagegenrechnet besser, als der Leser. Phädra ist vorn Dichterals königliches, willensstarkes, göttlich begeistertes Weibgefaßt, wenig oder nichts hat sie von jener Raeine'schenPhädra, welche Rächet Felix so leidvvll, groß, so unver-geßlich darzustellen wußte, die „sitzend im Waldesschattenmit ihrem Auge den Spuren seines Wagens folgt": dieneue Phädra ist aus stärkerem Marmor gemeißelt, sie hatAnwandlungen der Begeisterung, in denen sie bald derdelphischen Priesterin, bald der lesbischen Sappho gleicht;in dem stolzen Bewußtsein, von den Göttern abzustammen,erhebt sie sich über das Irdische und wagt Uebermensch-liches. In ihr, wie in allen Figuren des Dichters,überwiegt das lyrische Element, aus dieser Stimmunggestalten sich einzelne dramatische Vorfälle, die, weil sienur die Spitzen und Blüthen der lyrischen Begeisterungsind, nach der einen Seite hin der ursächlichen Verbindung,nach der andern der Entwickelung entbehren. Der Dichterhat eine Vorliebe für bewegliche Charaktere: Theseus stehtschwankend zwischen Ariadne und Phädra, Ariadne zwischendem Vater und dem Geliebten, Hippolyt — was mir dochals sehr bedenkliche Wandlung der Mythe erscheint —zwischen Aricia und Phädra: überall macht sich hier diemoderne Empfindnngsweise, der Kampf zwischen den Rechten