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dem wäre die Schiller'sche Dichtung in ihrem Grund-charakter eine Tragödie des Ehrgeizes geblieben und täuschtmich mein Gefühl nicht, so ist für den Zuschauer das Em-porsteigen des Ehrgeizigen fesselnder, als sein Fall. Dieletzten Akte von Macbeth und Richard III. sind an Schwungund fortreißender Bewegung mit den ersten nicht zu ver-gleichen. Was der Geist Banqno's an der Königstafelfür Macbeth und die Dichtung ist: das wäre für Schiller'sDemetrius die Entdeckung seiner Falschheit gewesen; vondiesem Umschwung des Schicksals an zersplittert und zer-fasert sich die Handlung.
Ist der geschichtlichen Wirklichkeit gegenüber eine an-dere Lösung möglich? Eine Lösung, bei der nicht das Ty-pische und Allgemeine, sondern das Individuelle, nicht dasWesen des Usurpators, das überall in seinen Hauptzügensich gleich bleibt, sondern ein besonderer eigengearteter Cha-rakter zur Geltung käme? Läßt sich in dem Demetrius-Stoffdas historisch-politische Problem durch ein psychologischesersetzen? In dieser Richtung bewegt sich Hebbel's Tragödie.Wie Jeder, der auch nur ein geringes dichterisches Gefühlhat, ist er von der großartigen Eröffnungsscene der Schiller-schen Dichtung, jener Schilderung des Reichstags zu Krakau,die in der Bewältigung der Massen, in der Wiedergabedes politischen Charakters und der Tendenzen eines Volkeszu dem Wunderbarsten gehört, was Schiller geschaffen, aufdas Tiefste ergriffen und zur Fortsetzung angeregt worden.Bald aber empfand er aus der Eigenthümlichkeit seinerNatur die Unmöglichkeit heraus, den Torso Schiller's zuvollenden; „es kann ebenso wenig Jemand dort anfangenweiter zu dichten, wo Schiller aufgehört, als Jemand dortzu lieben anfangen kann, wo ein Anderer aufgehört", sagt