Problem stellte, in einer tollen ungeheuerlichen Posse.Heißt das aber nicht gar zu bunt dem guten Vater mit-spielen? fragt Angelika vor der Ceremonie. Nicht doch,entgegnet Beralde, es ist ein Scherz, der unter uns bleibt,im Uebrigen, schiebt's auf den Karneval! Und wie Argankurz vorher von der Magd Toinette genasführt ward, sogeschieht es ihm nun auch von den Andern, im großenStil. Die Ceremonie, mit der Argan's Ausnahme in dieZunft der Aerzte gefeiert wird, ist der Wirklichkeit abge-lauscht; der berühmte Locke hat 1676 in Montpellier einersolchen Aufnahme beigewohnt und seine Schilderung stimmtin den Umrissen mit der Moliore's überein. Innerhalbdieses Rahmens nun aber, in diesem burlesken Küchen-latein, welche Ausgelassenheit, welch' Gelächter, welch'bacchantisches Rasen! Hier kommt Moliere, die Welt aufden Kopf stellend, Aristophanes nahe — und wieder, wennman sich erinnert, daß diese Tollheit, dieser Jubel demTode selbst ins Angesicht geschleudert wird, glaubt manein Bild aus den mittelalterlichen Todtentänzen vor sichzu sehen: bunt, phantastisch, fratzenhaft.
Die übrigen Figuren sind frisch aus dem Leben ge-griffen und aus ganzem Holz geschnitzt. Das Liebespaarerhebt sich nicht über das Mittelmaß, die Hanptscenezwischen Angelika und Cleanth ist von Moliore schonfrüher mehrfach geschildert worden. Um so eigenartigerist Argan's zweite Gattin Veline und der junge ThomasTiasoirus gestaltet: letzterer eine köstliche Figur voll un-freiwilliger Komik. Ein junger Mensch, der eben dieUniversitätsstndien vollendet hat, aus einer guten, wohl-habenden Familie, in pedantischer Gelehrsamkeit sichbrüstend, mit dem Ausblick, nach dem Tode des Vaters