Band 
[Erster Band]
JPEG-Download
 

283

dessen Kundschaft zu erben. In zweiter Linie stehen diebeiden Herren Purgon der Arzt und Fleurant der Apo-theker. Neu ist die Figur der kleinen zehnjährigen Louison.Mit Recht rühmte Goethe die Scene zwischen ihr und ihremVater Argan als eine der vorzüglichsten und kunstreichstender Bühne zu Eckermann: „sie ist mir immer", sagte er,„als Synibol einer vollkommenen Bretterkenntniß erschienen."Und nun verlaust das Ganze so munter, so erheiternd,und Alles in Allem doch mit einer solchen Feinheit undAnmuth, daß sich der Leser auf das Lebendigste beschäf-tigt, auf das Angenehmste gefesselt fühlt. Was hier unddort allzuderb erscheint, muß nicht nach unseren:, sondernnach dem Geschmack jener Zeit beurtheilt werden. MitAusnahme einer einzigen gewagten Aeußerung Beralde'sgegen den Apotheker Fleurant, die das Parterre gleichbei der ersten Aufführung rügte und die der Dichter sofortänderte, gefiel das Stück außerordentlich und ist bis zumheutigen Tage auf der, französischen Bühne lebendig ge-blieben. Der Sage nach bewahrt das Theatre fran?aisden Lehnstnhl, in dem Molivre sein verhängnißvolles jaro!gerufen und das Kostüm Argan's, nach einem KupferstichLepautre's: „grobe Strümpfe, Pantoffeln, enge Hosen, einrothes Kamisol mit einer rothen oder einer Spitzen-Borte,ein Halstuch mit alten Stickereien, und eine Nachtmützemit einer Spitzeuhaube" — ist durch die Tradition ge-heiligt.

Der Uebertragung dieses Lustspiels auf die deutscheBühne stehen große Schwierigkeiten entgegen, und die Be-arbeitung, die jetzt H. Richter nach der Baudissin'schenUebersetzung gemacht hat, kommt nicht darüber hinaus.Sie streicht nicht nur den Eingang der Komödie, das

»