Band 
[Erster Band]
JPEG-Download
 

285

der groteske Humor. Nicht ein einziges Mal kam dieVerrücktheit Argan's zum Ausbruch. Wie ganz anderswird Moliäre-Argan sein „orovo, erävo!^ über Moliäregerufen haben, als Herr Döring, der ganz behaglich inseinem Stuhl sitzt und ein wenig brummt. Mokiere er-weitert die traurige Krankenstube zu einem märchenhaftenRaum, zu dem großen Saal der erlauchten medicinischenFacultät, hier blieb sie in ihrer Prosa und Trübe. Stattdie Gestalt des „eingebildeten Kranken" nach ihrer phan-tastischen Seite groß und frei aufzufassen, bemühte sichder Künstler, sie recht klein zu machen. Er war nicht derNarr des Todes, sondern der arme Tropf, mit dem seineUmgebung spielt. Die modernen Lustspielfiguren, die dervortreffliche Künstler mit so großer Virtuosität und Frischedarzustellen weiß, haben ihm diese Moliäre'sche Gestaltangekränkelt und verkümmert; er hat sie in diesen Kreisgezogen, statt sie darüber zu erheben. In Fräulein Tag-livni's Toinette war etwas mehr vom Geiste der alt-französischen Komödie, sie hat frisch und munter gespielt,leider hatte auch ihr die Bearbeitung das GaukelspielToinettens im letzten Akt gestrichen. Herr v. Hoxar(Thomas Diafoirus) sah trefflich aus, aber er sprach seinenPart, meiner Meinung nach, nicht empathisch genug. Erkommt eben von den Schulbänken, aber so, wie er spricht,disputirte man nicht, weder in der Sorbonne, noch in derAula von Montpellier. Pathetisch, mit gewaltigen Be-wegungen, mit gewichtigen Betonungen redete man, Herrv. Hoxar war kein großer Disputator, sondern eine Plapper-mühle. Die übrigen Rollen wurden von den DamenFräulein Bergmann (Veline), Fräulein Kühle (Ange-lika) und den Herren Wünzer (Beralde), Dehnicke