Band 
[Erster Band]
JPEG-Download
 

296

Sie gesteht dem Könige ihre Liebe zu Derham und gehtmit demselben den Weg des Todes. Am lebendigsten er-weckt die Tragödie in uns das Gefühl des Mitleids. Auseiner unglücklichen Ehe, zn der sie die verhängnißvolleVerkettung der Umstände und eine unbedachte Entscheidunggezwungen, löst sich ein edles, wenn auch leidenschaft-lich begehrliches Weib durch eiu Geständniß, das sie ver-nichtet. Die tragische Schuld Katharinas ist gering underscheint noch geringer, wenn man sie mit der Grausam-keit und der Liebeswuth des Königs vergleicht. Mancherleiäußerliche Umstände müssen, wie die Verwickelung, so auchdie Lösung herbeiführen. Dadurch wird die Freiheit derEntschließung in der That, Schuld und Sühne der Heldinnicht unwesentlich beeinträchtigt. Daß im Ausgang dasböse Element einen vollständigen Sieg feiert und jedeAussicht auf eine Besserung der Zustände Englands sichverschließt, das schutzlos der Wuth des Tyrannen über-lassen daliegt, verstärkt den Eindruck des Düstern undHerben.

Die Charakterentwickelung Katharina's enthält ebensoviele feine wie ergreifende Züge. Von phantastisch keckemGeiste, übermüthigen Sinnes, im Bewußtsein ihrer Schön-heit wandelt sie scheinbar sicher ihre Bahn, sie tändelt mitihren Verehrern, selbst mit dem Könige, während ihr Herzdoch einzig ihrem Jugendgespielen Arthur Derham gehört.Leicht ist sie willig, ihm zu folgen und mit ihm an dieSpitze der Katholiken zu treten, die einen offenen Aufstandgegen den König vorbereiten. Die Verschwörer werdenvon ihrem Geschick ereilt und verhaftet; zwischen ihremTode und seiner Hand läßt Heinrich VIII. dem Mädchendie Wahl. Nach der ganzen Anlage ihres Wesens muß