rich VIII. in seiner Leidenschaft gefährlich und schrecklichsein, auf der Bühne besitzt er, bei aller Kunst des Schau-spielers, etwas Abstoßendes. Nicht Alles, was für die,welche es übten oder erlitten, tragisch war, wirkt auf denunbetheiligten Zuschauer als ergreifende Tragödie. Einjunges, lebenslustiges, sinnliches und hochstrebendes Mäd-chen, Katharina Howard, geräth durch die Verwickelungendes Zufalls und die Verrätherei eines verschmähten Be-werbers in die tragische Lage, um das Leben ihres Ge-liebten zu retten, sich mit dem tyrannischen, ihr tief ver-haßten König Heinrich VIII. zu vermählen. Dem Ge-liebten Arthur Derham — er ist mit seinen Freundenals papistischer Verschwörer verhaftet gewesen — erscheintihre Handlung ehrvergessen und schmählich, in seiner Wuthverlangt er von ihr, sie solle ihm beistehen, den Königzu ermorden. In Derham's Seele verbinden sich Eifer-sucht und Glaubenshaß zu einem solchen Entschluß: Hein-rich VIII. hat ihm die Braut entrissen und die katholischeKirche in England gestürzt. Entrüstet weist die neue Kö-nigin das Ansinnen des fanatischen Mannes zurück, aberDerham kommt zu einer zweiten Unterredung wieder,der König überrascht sie, muthig faßt sich KatharinaHoward:
„O genug
Der Schmach und der Entwürdigung! Ja, König,
Ich danke dir, du zeigst den Weg mir jetzt,
Den ich zu wandeln habe, den ich nurIn namenloser Herzensangst verließ.
Die Kön'gin Englands darf so klein nicht denken;
Die Wahrheit ist ihr Recht, nicht ihre Pflicht,
Denn über ihr ist Gottes Himmel nur,
Und deuteln soll sie nichts und nichts verschweigen,
Sie wag' es, groß auf das Schaffst zu steigen."