Band 
[Erster Band]
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„Katharina Howard" bewegt sich in den Formen desJntriguenstücks. Unter Blumen lauert die Schlange: sohier unter Festen, Maskenscherzen, Königsheirathen Ver-schwörung und Untergang. Es fehlt nicht der romantischeMaskenball, die Zusammenkunft in der zerstörten Kapellebeim Mondschein, die geheimen Gänge und Tapetenthürenim Schlosse. Gottschall's Schilderungen sind glücklich inder Stimmung und im Kostüm der Zeit, das Aeußerlicheund Bunte des damaligen englischen Hvslebens tritt inphantastischer Romantik anschaulicher hervor, als in derstrengeren Form der „Maria Stuart" Schiller's. Leidermachen diese romantischen Requisiten aus den Zuschauer keinerechte Wirkung mehr, die Tapetenthüren sind aus derMode. Die Scene, in der Katharina den zwölf Ver-schworenen, halb als irdische Jungfrau, halb als Send-botin des Himmels, erscheint, ihre Waffen einzusegnen, istopernhaft. Es kommt hinzu, daß Arthur Derham zu starkan Mortimer erinnert und zu wenig individuelles Lebenbesitzt. Dadurch verlieren die beiden letzten Akte an Be-deutung und fesselndem Reiz. In den Nebenfiguren, inCromwell und Cramner auf der einen, in Norfolk undGardiner auf der andern Seite, sind die beiden großen Par-teien vertreten, die protestantische und die katholische, die sichum das wankelmüthige und launenvolle Herz Heinrich's VUl.streiten. Der Lord Culepepper, die Lady Rochfort, derNarr des Königs vollenden das Bild des Hofes und sind dieuntergeordneten Hebel der Intrigue. Im Ganzen: eine Dich-tung voll Kraft und Fülle, die bis zum Ausgang des drittenAkts rasch fortschreitet und in ergreifender Weise abschließt.Die beiden letzten Akte enthalten zu viel des Nebensächlichenund Aenßerlichen und lassen die Theilnahme ermatten.