299
Die beiden Hauptrollen wurden von Frau Erharttund Herrn Berudal dargestellt. Frau Erhartt hat vollFeuer und in einigen Momenten nicht ohne tragische Größedie Katharina Howard gespielt. Der Uebermuth und dieZärtlichkeit des jungen Mädchens, das noch keine Gefahrund Schnldverstrickung ahnt, im ersten Akt; die Verzweif-lung, die Seelenangst bei der Nachricht, daß ihr Geliebtermit seinen Gefährten zum Tode vernrtheilt ist, im drittenAkt, sind ihr besonders trefflich in Bewegung nnd Redegelungen. Herrn Berndal's Heinrich VIII. trägt in derMaske und in vielen Einzelheiten der Darstellung histori-sches Kolorit. Die schwierigen Uebergänge aus der einenStimmung in die andere, die launenvollen Sprünge seinesWesens, in denen jetzt die Leidenschaft, jetzt der kalte,egoistische Verstand regiert, hat der Künstler fein durch-dacht und ohne Künstelei ausgeführt. Das Bemühen, unsdie Figur näher zu rücken, sie menschlich individueller, nichtnach der allgemeinen Schablone eines Theater-Nero zugestalten, gab wiederum von der Ueberlegnng und demkünstlerischen Verständniß des Herrn Berndal ein schönesZeugniß. Nur verfiel er darüber zuweilen in eine gewisseBürgerlichkeit, die sich mit dem Heroischen der Rolle nichtrecht verträgt. Eher als diese breite Behaglichkeit würdeich eine grotesk-phantastische Uebertreibung natürlich finden.Heinrich VIII. war ein Ritter, ein Hofmann; neben theo-logischen Traktaten waren die Ritterbücher von Tristanund Amadis seine liebste Lectüre. In dem löblichen Be-,streben, der Natur treu zu bleiben, setzt ihn Herr Berndaleine Stufe zu tief. Die Herren Karlowa (Arthur Derham),Kahle (der Narr), der im vierten Akt eine glückliche Scenehatte, Wünzer (Norfolk) und Dahn (Cromwell) spielten