Band 
[Erster Band]
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sobald in ihr mit der Liebe die Evatochter erwacht ist, er-scheint sie unmuthig, verführerisch, nixenhaft. Wie geistreichist des Dichters Ironie, wie reizend die Entpuppung Else'saus der grauen Motte zu einem glänzenden Schmetterling!Diese Figur ist gleich natürlich empfunden wie meisterhaftgezeichnet.

Schade nur, daß der Schmerz und die Noth, die ElsensHerz überwallen lassen und zur Offenbarung ihrer Liebedrängen, durch eine unglaubliche Verwickelung herbeige-führt werden. Oswald's Verhältniß zu Leonoren ist eineUnmöglichkeit. Diese vornehme Dame, eine Mischung vonHochmuth, Gefallsucht, von französischer Romanheldin undDemi-Mondethum — Leonore ist Wittwe, eine echte Dn-mas'sche Halbweltswittwe, die daneben wie Lelia Toll-heiten über die Leidenschaft, den Mann-Dämon und denSelbstmord hervorsprudelt — ist ein unangenehmes Zerr-bild; und wollte man es auch mit ihrer Moral und ihrenReden nicht so streng nehmen: das Uebelste bleibt, daßsie dreimal als eine „Göttin aus der Maschine" hervor-tritt, wenn der Dichter sich nicht mehr weiter zu helfenweiß. Unwillkürlich fängt man zu lachen an, wenn manin der zweiten Hälfte eines jeden Aktes die stolze Dame,stets in einem andern Kleide, auf den Stufen erscheinensieht, die in das Atelier hinabführen. Auch ihr Verlobter,der Banquier Sandberg, dem sie übrigens den Abschiedgiebt, erhebt sich nicht über die Caricatur: und er istnicht einmal lustig, er ist ein hämischer Affe. Licht undDunkel, Vorzüge und Schwächen sind beinahe gleich indem Stücke getheilt; die Fabel mit ihrem novellistischenGepräge leidet an Sprüngen und Abenteuerlichkeiten undist bei alledem doch von ärmlicher Erfindung. Lebendiger