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singend ergreifen und die Chorführer sich die Kränze aufdas Haupt setzen. Und betrachtete man dann wieder dieschmerzvollen und doch plastischen Gruppen — die todteEurydike in den Armen ihrer Frauen in der Tiefe desHofes, die Leiche des Hämon, ruhend auf den Knieen desSklaven im Vorgrund der Bühne — so hatte man dasGefühl, daß Sophokles und Phidias auf ihrer Bühnekaum etwas Schöneres gesehen hätten.
Um die Darstellung hat sich zumeist Frau Jachmannverdient gemacht; ihre Antigone ist des Kranzes werth.In ihren Bewegungen, in ihrem gemessenen, rhythmischenVortrag waltet jener Zauber, der in den antiken Mar-morgestalten auch die Seele der Barbaren bändigt. Aufder Bühne ist Frau Jachmann von dem Maß? dem Stoffund Wesen der Heroinen. Was sie hindert, die seelischreicheren Gestalten der modernen Dichtung vollkommen zuverkörpern, gereicht ihr hier zum Bortheil. Antigone kannnicht bewegt reden, wie eine Heldin Schiller's. Geradeder musikalische Bortrag, der unserer Künstlerin von ihrerLaufbahn als Sängerin anhaftet, paßt für die Tragödiedes Sophokles. Der Darsteller Shakspeare's, Lessing's,Schiller's, Goethe's muß die Kraft und Kunst der Charakteri-sirung besitzen. Das griechische Drama fordert nur Stilund Rhythmus. Die Antigone der Frau Jachmanu stehtebenbürtig neben ihrem Orpheus, ihrer Klytämnestra inden Gluck'schen Opern; wenn sie den Krug auf die Schultersetzt und die Stufen hinabgeht; wenn sie - aufgelöst inwilden Schmerz am Altar niedersinkt, könnte man sie,versteinte sie plötzlich, zu der Gruppe der Niobiden stellen.Herr Dessoir gab seinem Kreon den finstern, dämoni-schen Trotz des Mannes, das Leidenschaftliche und Düstere