Band 
[Zweiter Band]
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brach ergreifend hervor; nach dieser Richtung hin ist dieMeisterschaft Dessoir's anerkannt nnd offenbart sich immeraufs diene; dagegen hätte ich die Behandlung des Versesreiner, den rhythmischen Fluß voller gewünscht. Freilichist Kreon eine außerordentlich schwierige und angreifendeRolle, bei der sicherlich im athenischen Theater dem Schau-spieler das Schallrohr sehr zu statten kam, das an seinerMaske befestigt war. Würdig reihten sich Herr Karlowa(Hümonsi der einzelne Stellen in vorzüglicher, klangvollerWeise vortrug, Fräulein Bergmann (Jsmene), die zartund sinnig den Gegensatz zu der Willensstärken Antigonein Haltung, Bewegung und Vortrag zu verkörpern wußte,Herr Dahn (Bote), Herr Kaiser (Teiresias), FräuleinDöllinger (Curydike), der ich nur ein breiteres undstattlicheres Scharlartuch wünsche, das, wenn sie fort-stürzt, auf dem Boden nachschleppt — in der Vernach-lässigung der Kleidung ihre Verzweiflung andeutend —und Herr Baumeister (Wächter), der das Täppische desWächters, seine Verlegenheit und Angst, richtig traf, aberihr einen zu modernen Anstrich gab. Die Chöre wurdenvon den Herren Betz, Fricke, Krüger, Basse, Koser,Lieder, Witt trefflich ausgeführt.

Am Schluß brach die langverhaltene Begeisterung desPublikums in einem einstimmigen Beifallsruf aus. Vormehr als zweitausend Jahren begrüßte derselbe Beifalldie erste Darstellung der »Antigone". Nichts ist vonjenen Zuhörern geblieben, den Guten wie den Schlechten,den Edlen wie den Feigen; die Dichtung aber lebt fort,ein ewiges, ungetrübtes Leben, Zeugniß ablegend für dieunsterblich fortwirkende Kraft des Geistes, für die Machtder Schönheit und der Wahrheit. Wenn dies zuerst den