Band 
[Zweiter Band]
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Dichter ehrt, der solch ein Werk geschaffen, ehrt es dochauch die, welche unter veränderten Sitten, Zuständen undAnschauungen es nachempfinden, denen es Thränen derRührung und des Entzückens entlockt.

Montag, den 20. März 1871, neu einstudirt: Werner, oder:

Herz und Welt. Schauspiel in fünf Aufzügen von Kar.l

Guhkow.

In Hamburg am 21. Februar 1840, zum erstenMal aufgeführt, hat Gutzkow's „Werner" seit dreißigJahren Bürgerrecht auf der deutschen Bühne gewonnenund, wenn auch nur in längeren Zwischenräumen ausge-geführt, stets von Neuem seine Anziehungskraft bewahrt.Das Schauspiel steht ganz und voll auf dem Boden desFamiliendrama's, einer Gattung der dramatischen Kunst,die meiner Meinung nach von den Kunstrichtern unterschätztund mit Unrecht gegen die sogenannte hohe Tragödie zurück-gesetzt wird. Für das wirkliche, nicht für das theoretisch-ideale Theater, in dem es sich nur um abstracte Kunst-und Stilgesetze handelt, sind Dramen wie Emilia Galotti,Clavigo, Kabale und Liebe von unvergleichlich mächtigererBedeutung und für die Zuschauer von einer tieferen, er-ziehenden Wirkung als etwa Jphigenie oder die Brautvon Messina. Eine starke, wenn nicht die stärkste Lebens-ader der deutschen Schaubühne schlägt in dem Familien-stück, es kommt nur darauf an, ihm einen würdigeren In-halt — würdiger, indem die Conflicte vertieft und diescheinbar kleinlichen Verhältnisse, die zur Darstellung ge-langen, mit poetischem Auge angeschaut werden — undeine vollendetere Form zu geben. Ich erwarte viel ehervon dem Familiendrama als von der Jambentragödie eine