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gestellt zu werden. Es ist schwer, bei einer so liebens-würdigen und geistreichen Frau die Gouvernante derKinder und die Geliebte .des Mannes zu spielen. FräuleinKeßler war vor Allem zu weinerlich, die ersten Scenen mitder Frau Schulz und dem Assessor Wolf müssen frischer,resoluter gespielt werden, damit der Zuschauer sich an dieMöglichkeit gewöhnt, dies brave, kräftige und seelisch ge-sunde Mädchen über seinen Liebesgram hinweg zu einerHeirath mit einem tüchtigen Mann schreiten zu sehen.Seinen Referendar Fels spielte Herr Liedtcke mit jenemglücklichen Humor, der uns nicht merken ließ, daß er nurim Stücke vorhanden fei, um unter Mariens Pantoffel zukommen. Herrn Kahle's Assessor Wolf besaß eine Weisedes Benehmens, die ihm schwerlich Einlaß in den Salonder Frau von Jordan verschafft hätte; der abstoßende Cha-rakter Wolfs setzt doch nicht nothwendig auch unangenehmeManieren voraus. Wir haben aus der sogenannten Laube'-schen Schule jetzt zwei Künstler, die Herren Kahle undKrause, auf unserer Bühne; unbestritten ist das schauspiele-rische Talent beider, aber zugleich besitzen beide etwasSchneidiges und Gezwungenes, das, oft zur Unzeit, unsym-pathisch wirkt und sogar unnatürlich erscheint. Herr Wün-zer traf den behaglichen und gutmüthigen Ton, der imCharakter des Doctor Fels vorherrscht, aber ein origi-nales Gepräge wußte er der Figur nicht zu geben. Denalten Präsidenten von Jordan spielte Herr Friedmannangemessen und maßvoll. Das Publikum nahm das Werkund die Darstellung der einzelnen Künstler mit beifälligerTheilnahme anf.