Band 
[Zweiter Band]
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gungen und künstlerischer Genüsse, welche den Bewohnernder Weltstädte reichlicher, aber auch vereinzelter und zer-streuter in beweglicheren Wellen zuströmen.

Das Meininger Theater huldigt mit Glück der klassi-schen Richtung, und wenn man den Fleiß, die Umsicht,die weder Kosten noch Mühe scheuende Sorgfalt bemerkt,welche auf die Ausstattung sophokleischer und shakspeare'scherTramen verwandt wird, so kann man den Wunsch nichtunterdrücken, daß auch die deutsche Dichtung ein und einanderes Mal dieselbe Theilnahme finden möge. Mir wares vergönnt, auf dieser Bühne zwei Stücke Shakspeare's:„Der Widerspenstigen Zähmung" und «Julius Cäsar"dargestellt zu sehen. Selbstverständlich darf man an dieLeistungen der einzelnen Darsteller nicht den höchstenMaßstab legen, der kleinere Raum übt eben überall beherr-schend seinen Einfluß aus. In diesem Rahmen aber be-wegt sich das Ganze harmonisch. Was zunächst wohl-thuend wirkt, ist der malerische, reiche und poetische Ein-druck, den der Zuschauer empfängt. Die „bezähmte Wider-spenstige" versetzt uns durch die Decorationen, die Straßenund Zimmer, durch die Tracht der Figuren unmittelbarin das Italien der Frührenaisfance. Einzelne dieser Ge-stalten sind wie aus Bildern der beiden Lippi's und Polla-, juolo's geschnitten, man merkt, daß hier ein malerischesAuge, Geschmack und Kenntniß zusammengearbeitet haben.Auf den anderen Bühnen pflegt man sich meist in solchenFällen mit einem bunten Phantasiecostüm zu begnügen,dem hier und dort ein charakteristisches Zeichen ange-heftet wird. Dies kleine Theater aber sucht gerade inder Genauigkeit und der historisch treuen Wiedergabe desAeußerlichen seinen Stolz, es will den Sinn des Zuschauers