110
es gelang, dem Theater neue Mittel zuführte, schien seineZukunft gesichert zu sein. Schließlich gab denn die Ueber-zeugung, daß man das Beste gewollt und sich redlich darumbemüht habe, mit dem frohen Selbstgefühle der Kraft, diedanach drängt, sich zu zeigen und zu bethätigen, den Aus-schlag: ich darf mir das Verdienst zuschreiben, immer zudem Versuche gerathen zu haben, sowohl im allgemeinenInteresse der dramatischen Kunst, weil alle Bühnen vonder Spielweise der Meininger lernen könnten und lernenwürden, als in dem Interesse des betreffenden Theaters,dessen Künstler durch die Theilnahme und den Beifall derHauptstadt zu immer größeren Anstrengungen, zu immervollkommneren Leistungen angefeuert werden würden.
So erschien die Gesellschaft des Meininger Hof-theaters auf der Bühne der Friedrich-Wilhelmstadt. DieseBühne empfahl sich vor allen anderen Berliner Bühnen,da sie fast genau dieselben Raumverhältnisse, wie dieBühne in Meiningen hat. Zu ihrer ersten Vorstellungam 1. Mai 1874 hatte die Gesellschaft Shakspeare's»Julius Cäsar" gewählt. Was die Einrichtung desStückes zunächst auszeichnet, ist die Vermeidung des häufi-gen Dekorationswechsels: im ersten Akte spielen sämmt-liche Scenen vom Zuge Cäsar's zum Festplatze bis zurVerabredung zwischen Cassius, Casca und Cinna währendder Gewitternacht auf dem Forum Romanum; im zweitenAkte sehen wir den Garten des Brutus und das GemachCäsar's; der dritte Akt zeigt in zwei Scenen die Curiades Pompejns und das Forum mit der Rvstra; im viertenAkte kaun, meiner Meinung nach, die erste Scene zwischenden Triumvirn, Octavianns, Antonius und Lepidns, alsüberflüssig gestrichen werden und der ganze Akt sich einzig