Band 
[Zweiter Band]
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führung und der des Hoftheaters wird nicht zu vermeidensein; aber nicht ich möchte ihn ziehen; das Publikum, die-jenigen, die endlich einmal eine Shakspeare'sche Komödievoll und ganz, nicht ein beliebig zusammengewürfeltesStück von irgend einem berühmten Kürzer des Dichterssehen wollen, mögen entscheiden. Die Meininger Einrich-tung vermeidet beinahe jeden Dekorationswechsel; nur dasZimmer des Herzogs und das Gemach der Olivia unter-brechen die feststehende Decoration: es ist das Hans Oli-viens, mit einer Treppe, die in einen Borgarten führt, andem die allgemeine Straße vorübergeht. Der Garten mitBank und Blumengebüsch, die höherliegende Laube mitdem Steintisch, die Treppe mit ihrem oberen Absatz glie-dern die Bühne annührend im Stil der altenglischen: Mal-volio erscheint auf der Treppe, während die Rüpel in derLaube trinken, singen und lärmen. Wenn Olivia zärtlicheWorte mit Viola-Cesario tauscht, guckt Junker Christophaus dem Fenster. In der letzten Scene, bei Mondbeleuch-tung, die man vielleicht gegen den Schluß hin durch Fackel-licht noch phantastischer machen könnte, entsteht durch dieseTheilung der Bühne eines der malerischsten Bilder. Diewidersinnige Umkleidung Viola's aus ihrem Pagengewandein ein Frauenkleid — widersinnig, da der Dichter aus-drücklich mit diesen Worten schließt: „Kommt, Cesario!das sollt ihr sein, so lang' ihr Mann noch seid, doch wennman euch in andern Kleidern schaut, Orsino's Herrin,seiner Liebe Braut" — ist nicht beliebt und so stört keintolles Fortlaufen und Wiederherbeieilen der Hauptpersonden reinen Eindruck dieser Scene. Ueber die Ausstattung,die Kostüme, das Beiwerk brauche ich nicht mehr zu sprechen;man betrachte nur die beiden Gerichtsdiener, welche An-