Band 
[Zweiter Band]
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die beiden Seiten des altenglischen Lustspiels, die Romantikund den Humor, die phantastische Poesie und das über-müthige Gelächter; sie spielen nicht sich, sondern Shakspeare.Fräulein Setti giebt ihrer Olivia Würde und Liebreiz,sie ist eine angemessene, obgleich keine vollendete Darstel-lerin der Gräfin, etwa in der Weise, wie Fräulein Keß-ler die Rolle auf der Hofbühne auffaßt, nur mit stärkererBetonung des leidenschaftlichen Elements. Könnte manzu diesem Damen-Kleeblatt unsern Meister Döring alsMalvvlio gesellen, so würde diese Aufführung von „WasIhr wollt" schwerlich ihres Gleichen haben. Vor Döringzu erblassen, ist keine Unehre; ja es ist anzunehmen, daßHerrn Raupp, der den Malvvlio spielte, bei der erstenAufführung die Erinnerung an diesen Meister noch mehrbeängstigtes als das Gefühl der eigenen Unzulänglichkeit.Ich hatte früher Herrn Weilenbeck in dieser Rolle gesehen,der sie sehr originell im Einzelnen ausführte, den aberjetzt sein körperliches Gebrechen — er ist erblindet — anihrer Darstellung hindert. Herr Raupp schadet sich da-durch zumeist, daß er zuviel thut, namentlich in den erstenAkten, ehe die Verzauberung eintritt; hier hat er nursteif, trocken, hochmüthig und querköpfig zu sein, jede Ueber-treibung in der Bewegung muß vermieden werden, seineHaltung ist ruhig, kerzengerade, sein Schritt langsam.Vortrefflich sind dagegen die beiden Rüpel: Herr Hell-muth-Bräm (Junker Tobias), Herr Chronegk (JunkerChristoph), der wie ein aus alten Büchern geschnittenerenglischer Clown aussieht, gutmüthig, albern, burlesk.Die Scene, wie Tobias und Fabio (Herr Stoppen Hagen)im Verein mit Maria dem Malvvlio einreden, daß er be-sessen fei, gehört zu den gelungensten der Aufführung;