Band 
[Zweiter Band]
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der Marktplatz zu Worms, hier das Frauengemach derStrahlburg mit dem tiefen Fenster. In Strömen scheintder Regen herabzustürzen; wenn der Thurm von Thurneckim Feuer zusammensinkt, hat man die Empfindung, alsbräche ein wirkliches Haus prasselnd vor uns nieder.Bilder, wie die L^aldschenke Jacob Pech's, wie der Gottes-gerichtskampf in Worms und der Brautzug, gleichen inihrer Wahrheit und Farbenpracht den schönsten Gemäldender Eyck'schen Schule. Wohl handelt es sich um die Be-friedigung des malerischen Sinnes, um die Widerspiegelungeiner historischen Wirklichkeit; wohl ist, wie man gesagthat, ein antiquarischer Zug und die Liebhaberei einesSammlers darin, aber zugleich ersteht auf diesem Hinter-gründe die Dichtung in ihrer idealen Schöne; nur indieser Beleuchtung, in diesen Kostümen, mit dem vielenBlechgerassel, das, nebenbei bemerkt, ein wenig gemildertwerden könnte, wird sie lebendig. Daß Figuren, wieKleist sie uns in seinem Schauspiel schildert, nicht ganz derWirklichkeit angehören, empfindet Jeder; ihre Möglichkeitberuht wesentlich auf dem Untergründe ihrer Zeit. Jedeutlicher, farbiger, greifbarer uns nun diese Zeit ge-schildert wird, um so natürlicher erscheinen auch die Ge-stalten; aus dem engen Rahmen einer Theaterfigur wachsensie zu vollen Menschen auf und aus.

Dadurch gewinnt denn auch die Darstellung erst dasrechte Leben. Mit den zimperlichen, sentimentalen Käth-chen, die über die Bühnen laufen, verglichen, besitztdas Käthchen des Fräulein Pauli eine herzgewinnendeUrsprünglichkeit. Das ist das fünfzehnjährige naive Kind,mit der ganzen Kraft der Jugend, dem Naturlaut derEmpfindung: nichts Verwaschenes, nichts Schwindsüchtiges.