Band 
[Zweiter Band]
JPEG-Download
 

154

gestellt; bet den Erscheinungen im vierten Akte ertönt eineeigenthümliche Musik, die zuletzt in einen tollen Tanzreigenübergeht; die Bewegungen der Hexen sind grotesk undwild, leider haben sie zu volle Arme, diese müßten fleisch-loser, skelettartiger sein, um den Eindruck des Grausigenund Gespenstischen zu erhöhen. Der Schloßhof mit deralten Burg, der düsteren Halle rechts, der im Hinter-gründe in zwei Absätzen aufsteigenden Treppe, dem. Psörtnerhause links mit dem Baum und der Bank davor'gehört zu den trefflichsten und malerischsten Schöpfungender Dekorationsmalerei: wie mit einem Schlage ist manin Macbeth's Haus und Zeit. Ich weiß wohl, daß Shak-speare drei Macbethschlösser annimmt: Jnverneß, Fores,Dnnsiuan, und wir hier immer nur eines sehen; aberwie bei der Decorationslosigkeit der Shakspeare-Bühnediese Verschiedenheit des Ortes nicht sichtbar wurde, sohilft aus der modernen Bühne die Einheit der Decorationüber die Mangel hinweg, die im Wandel derselben liegen.Die Dichtung wird dadurch noch einmal so geschlossen undinnerlich. Mißlungen war die Bankettscene. Der Raumist zu eng und schmal für die Fülle der auftretendenFiguren; zuletzt sitzen doch nur ein halbes Dutzend Männeran der Tafel, während die Anderen sich in die Coulisseverlieren. Durch das Hin- und Herwandeln Macbeth's,durch die Sorge der Königin, die bald aufsteht, um denGatten, und sich bald wieder setzt, um die Gäste zu be-ruhigen, kommt etwas Verwirrtes und Zerstreutes in dieHandlung, das ihr die erschütternde Wirkung und dietheatralische Steigerung raubt. Auch die ErscheinungBanqno's aus den Falten des Vorhanges war nicht glück-lich, es fehlte das Gespenstische. Ueberdies sollte er nicht