Band 
[Zweiter Band]
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singer von Nürnberg" beizuwohnen. Deutsche, Franzosen,Russen reichten sich die Hände, sogar ein Serbe und einUngar waren zugegen, die sich nach „Lohengrin" umarmtenund vereint das Schwanenlied sangen. Wenn ich jener Tagegedenke, erscheint mir, was hier sich abspielt, als — ein zwei-ter Theeanfgnß. Fünfmal soviel Zuschauer, eine hundertfachgrößere Kraftänstrengung: aber die Blume fehlt. Auch unterden vornehmen Damen, die den Wagner-Kultus treiben,wie dereinst die römischen Damen den Isis- und Osiris-dienst, gab es nur eine Frau von Muchanosi, so geistvoll,so adelig, solche Schönheit noch in Trümmern. ArmeGräfin Bianca, die Heine's weißer siamesischer Elephantmit Werther-Liebe geliebt — die übrigens eine ganz andereund mir angenehmere Liebe ist als die Wagner'sche Tristan-und Siegmundsliebe — Du bist nun auch schon dahin!Deine Schwestern, die Musen und Grazien, werden Dirdrüben weich gebettet haben! Leider hat mit der Königindas Fest auch etwas von seinem Glanz verloren. Ungern ver-misse ich mit der Fürstin den kleinen braunlockigen Dämon,Janina genannt, der später so boshafte Memoiren über dieseWeimarer Tage und den Meister Franz Liszt geschrieben.Die Schwärmerei für Richard Wagner ist seitdem in dieBreite gegangen, hundert Hände sind geschäftig, aus seinenWerken breite Bettelsuppen zu kochen. Was damals nochdie Gluth und das Geheimniß Weniger war, ist seitdemdas Gebet Tausender geworden, drei Viertel der EinwohnerBayreuths schwören auf den heiligen Wagner — groß ist dieDiana der Ephesier! Wer damals, wie ich, durch Zufall,nicht durch eigene Wahl, in jenen Kreis gerieth, hatte sich,wie der Eindringling in die eleusinischen Mysterien stillzu ducken; er lernte zwei der köstlichsten Güter auf Erden: