Band 
[Zweiter Band]
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Denn ein Publikum, wie es bisher unsere Dichterund Componisten hatten, ist frei und ungezwungen; wieJedem die Laune ansteht, legt er das Schurzfell des Ar-beiters, die Säge, die Axt oder die Feder bei Seite, stehter von der Tafel auf oder kommt er vom Spaziergange,um „Don Juan" oder „Faust" zu hören; volles Recht hatteund hat seine Stimmung, sich zu äußern und anszukliugen.Wie anders hier! Es ist eine von lang her eingeladeneGesellschaft, die sich im Wagner-Theater zusammenfindet;der ganze oder der drittel Patronatsfchein hat jahrelangim eisernen Geldschrank geruht und sogar, wenn ich denBöswilligen glauben will, alle Schicksale eines Gründer-papiers erfahren. Viel besser, als durch Verträge, welchebekanntlich nicht einmal die Götter binden, sind wir hieralle durch unsere Geldbeutel gebunden. Unsere Großvaterund Großmütter hatten es leichter und billiger; ohne ausdem gewohnten Kreis ihres Alltagsdaseins zu treten, konntensie sich an Mozart's Melodien berauschen und Schiller'sWunder anstaunen. Das Bayreuther Festspiel fordertvon uns Geld, Reise, Zeit. Freilich, sagt der Bewunderer,dafür erlebst dn auch olympische Tagei Muse der Geschichteverzeihe dem Frevler! Die Versammlung eines freien, großenVolkes, das zu einer Nationalfeier zusammenkam, die Ma-rathon- und Salamissieger mit uns dreizehnhundert fünfund vierzig armseligen Menschenkindern zu vergleichen,die wir die Rohrstühle dieses Amphitheaters einnehmen!Diese lächerlichen Gegenüberstellungen, die kecken Parallelen,die man zwischen Wagner und den größten Dichtern derWelt, die, wohlverstanden, nicht den Ruhm eines Tages,sondern den Ruhm von Jahrhunderten hinter sich haben,zu ziehen nicht müßig wird, reizen den Gegner und fordern