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mir unbekannter Menschen; gern höre ich wie Porzia Ge-sang und Flöten in der Nacht, aber nicht den Gesangeines abenteuerlichen Drachenwurms; gern bin ich in einemAmphitheater, aber der blaue Himmel muß sich darüberwölben, nicht eine schwere niedrige Balkendecke daraufdrücken. Wie jedes Ding, hat auch die amphitheatralischeOrdnung ihre zwei Seiten. Von den höher gelegenenSitzen sieht man wohl das Gesammtbild der Scene, abernicht mehr die Züge und das Mienenspiel der Gestalten.Schon von meinem Platz — Nr. 662 — erscheinen dieGötter und die Riesen auf der Bühne als die Staffageder Landschaft, gerade wie die Figuren aufPreller's Odyssee-bildern. Auf einem Sitz fünf Reihen über dem meinigenkann das schärfste Auge, mit dem schärfsten Glase bewaff-net, nicht mehr unterscheiden, ob Brünnhilde weint oderlacht. Dasselbe gilt von den Worten, welche die Sängerzu singen haben. Je höher man sitzt, desto weniger sinddieselben verständlich.
Lautlos lauscht die Versammlung; jedes Husten, jedesFlüstern, jedes Naseschnauben wird alsbald als Beleidi-gung des Meisters bestraft. Kein Beifallsruf — seitdemHerr Vogel im „Rheingold" auf offener Scene beklatschtworden war, hat Richard Wagner in „seinem" Theaterjeden Beifall verboten. So sitzen wir und hören unddulden, bis der fallende Vorhang uns befreit. Dannwiederholen sich die oben geschilderten Scenen in der Re-stauration. Mit dem Schluß einer Vorstellung bricht dieWagennoth herein. Manche müssen bis in die zwölfteStunde auf dem Wagnerhügel ausharren, ehe sie erlöstwerden. Um Mitternacht wimmelt es dann in den Haupt-straßen Bayreuths von den Heimziehenden. Vor den
Frenzcl, Dramaturgie. II. 14